die Macher mit Marketing-Charakter

Mythos des 21. Jahrhunderts.

C:Dokumente und EinstellungenJürgenEigene
Bildung als Mythos
Festvortrag zur Verleihung des Paulo Freire Agendapreises 2004 am Samstag den 20. November 2004 im Jugendhof Vlotho
von Johannes F. Hartkemeyer
Sehr geehrter Herr Regierungspräsident,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte Preisträgerinnen und Preisträger verdienstvolle Initiatoren dieses Agendapreises,
liebe Anwesende,
ganz herzlich möchte ich mich bei Ihnen für die Einladung bedanken, hier zum Anlass der Paulo Freire Preisverleihung einen Vortrag zum Thema Bildung als Mythos zu halten.
Bildung als Mythos? Was verbirgt sich hinter diesem Thema?
Ist es nicht ein gefährlicher Pfad auf dem ich wandele. Sollte ich nicht eher mit Freude die Konjunktur nutzen, die der Begriff Bildung derzeit erfährt?
Aber auf welchem Weg befinden wir uns in der bildungspolitischen Diskussion?
In welchem Zusammenhang steht sie mit den Überlebensfragen der Menschheit?
Denn Bildung schützt ebenso wenig wie Alter vor Torheit.
Das ist meine These.
Und ähnlich wie Elie Wiesel sagte: “Die Deutschen seien Anfang des letzten Jahrhunderts für das gebildetste Volk der Erde gehalten worden. Diese Bildung hat sie nicht abgehalten zwei Weltkriege zu führen und die technische Perfektion von Auschwitz zu inszenieren.“
Paulo Freire der Namenspatron ihres Preises hat daher gefordert, Begriffen genau auf den Grund zu gehen, die dahinter stehenden Interessen zu identifizieren, um die Selbstaufklärung des Menschen durch eine politische Alphabetisierung zu fördern.
Mit welchen Mythen ist also der Bildungsbegriff unterlegt?
Welche gesellschaftlichen Rolle wird der Bildung zugewiesen?
Welche Ansätze für die Entwicklung einer neuen Lernkultur gibt es?
Die „Bildung“ wird, so scheint es, zur sozialen Frage des 21. Jahrhunderts erklärt.
Sie spielt bei der „Modernisierung“ der Industriegesellschaft in Richtung
Wissensgesellschaft eine zentrale Rolle, soweit sind sich die „Modernisierer“ einig.
Nur – wer weiß, was jeweils mit Bildung und Modernisierung gemeint ist. Und, so titelte eine deutsche Wochenzeitung: „Wer weiß, was Wissen ist?
Was ist die Basis unserer Kultur?
Wenn wir davon ausgehen, dass Gesundheit und Ernährung und die dafür
erforderlichen Grundlagen, wie die Resilienz und Produktivität der natürlichen Systeme wie Boden, Klima und Artenvielfalt grundlegend sind, so wissen wir spätestens seit der Weltumweltkonferenz in Rio und deren Folgeveranstaltungen, dass wir diese systematisch untergraben.
Und das tun nicht etwa die „Ungebildeten“ unseres Planeten.
Ein Kind in Indien verbraucht in seinem Leben nicht einmal 2% dessen, was ein konsumgesellschaftlich hoch entwickelter Westeuropäer an
Ressourcen verschlingt.
Und die treibenden Kräfte dieser Entwicklung sind gut ausgebildete, hoch qualifizierte Arbeitskräfte, Diplomingenieure, Bachelors, promovierte und habilitierte Wissensvermittler, Entscheidungsträger dieser
Bildungskultur.
Kann ein „mehr“ dieser Art von Bildung die erforderliche Wende
bringen?
Wenn das offensichtliche Ergebnis dieser Bildungspraxis und –theorie einer Selbsttäuschung in unserer Kultur gleichkommt, scheint es sinnvoll zu sein, die Grundannahmen, auf denen sie basiert, zu überdenken.
Wo liegen die Herausforderungen?
Die jetzt in den institutionalisierten Bildungsprozess eintretende Generation wird mit den größten Herausforderungen der Menschheitsgeschichte konfrontiert werden.
Neben dem drohenden Klimawandel und der drastischen Artenverarmung, der
Überfischung der Meere und der zunehmenden Bodenerosion wachsen die sozialen und rassischen Konflikte weltweit.
Dazu müssen demokratische Antworten auf die Macht ungewählter internationaler Strukturen gegeben werden – von der WTO bis zu
Coca Cola und Microsoft – und andere weltweit operierende Kapitalgesellschaften.
Die Zeit drängt, aber es ist kaum eine ausreichend erfolgsversprechende
Gegenkultur in Sicht, die einen Wandel einleiten könnte, so der Präsident des World Watch Institute, Lester Brown.
Ich möchte, um nicht missverstanden zu werden, die Argumentation auf folgenden Punkt zuspitzen: Bildung in diesem konventionellen Verständnis hat offensichtlich nichts mit Moral, Verantwortungsbewusstsein und Weisheit zu tun. Wir tun aber so, als ob sie es denn hätte.
Und mehr von einer Bildung dieser Art verschärft höchstens die Lage der Welt, anstatt die anstehenden Probleme einer Lösung näher zu bringen.
Erfolg ist also gefährlich. (Erfolg ist das was folgt)
Da helfen uns auch die Datenhighways und Informationsexplosionen nicht weiter. Lester Brown verwies auch darauf, dass trotz der beschleunigten Datenverarbeitung die Kapazitäten und Fähigkeiten der Menschen, Probleme zu lösen, im Grunde unverändert bleiben.
Etwa ein Jahrzehnt stünde noch zur Verfügung, um den Kurs zu ändern, ansonsten würden die Katastrophendynamiken uns beherrschen.
Dies ist also kein Plädoyer für Ignoranz, im Gegenteil: Die Bedeutung und Funktion von Bildung muss neu definiert und ausgerichtet werden, an den Überlebensnotwendigkeiten, die sich abzeichnen.
Was ist also falsch an den Grundlagen unseres Verständnisses von Bildung?
Historisch hat sich ein faustischer Pakt herausgebildet. Festzumachen ist dies ideengeschichtlich an dem Versprechen von Francis Bacon „Wissen ist Macht“.
Es begründete die heutige Allianz von Politik, Wirtschaft und Wissensorganisation, von der preußischen Grundschule bis zur Rüstungsforschung.
Galileis Teilung des Intellekts verstärkte die Dominanz des analytischen, fragmentierten Ansatzes gegenüber einem ganzheitlichen kreativen, der auch die Folgen und die Verantwortlichkeit eines Handelns gleich einschließt.
Gesteigert wurde dies noch durch Descartes, der in seiner Epistemologie eine radikale Trennung zwischen Subjekt und Objekt einführte.
Eine Trennung, die uns noch heute völlig beherrscht, wie wir leicht am geltenden Standard des Bruttosozialproduktes feststellen können,
wo jeder Unfall, jedes Verbrechen positiv in die Leistungsbilanz eingeht. Daher ist auch die Wachstumsdiskussion so abgehoben.
Die Ökosteuer dagegen, mit der die Internalisierung der realen Kosten versucht werden soll, wird argumentativ immer wieder attackiert.
Nur in Spezialbereichen wie der Quantenphysik oder der Aktionsforschung wurde dieses herrschende duale Denkkonzept durchbrochen.
Durch diese Geistestradition haben sich Mythen über die Rolle von Bildung
herausgebildet.
David Orr vom Oberlin College, Ohio, machte verschiedene Illusionen oder Mythen aus, die eine tragfähige Einschätzung über die Rolle von
Bildung erschweren.
Bildung als Mythos des 21. Jahrhunderts „Das Problem der Unwissenheit ist lösbar“
Ein Mythos ist zum Beispiel, dass Ignoranz oder Unwissenheit über die Folgen unseres Handeln, ein prinzipiell lösbares Problem seien.
Sind sie aber nicht, sie sind vielmehr eine Basis menschlicher Existenz. Wir können nicht alles wissen. So ist aufgrund der völlig unvorhersehbaren Vernetzungen und Wechselwirkungen zum Beispiel die Toxikologie in einem immer schon verlorenen Wettlauf mit der Chemieanwendung. >Es werden auch heute verstärkt Giftcocktails verschiedener Herkünfte für Nahrungsmittel benutzt, damit der Einzelnachweis so schwer fällt.Wer ein Flugzeug baut, baut Flugzeugabstürze. Wer Atomanlagen baut, baut Atomanlagenunfälle. Deshalb sind bei dem herrschenden Fortschrittsverständnis Katastrophen mit Namen wie Tschernobyl, Seveso, DDT, Ozonloch, Rinderwahn keine Ausrutscher, sondern systemimment mit sogar wachsender Wirkung, weil die
Kompensationsfähigkeit des Planeten für diese „Fehler“ nachlässt.
Ein Beispiel, um deutlich zu machen, um was es geht, eine kleine Geschichte:
Um die Malaria zu bekämpfen, hatten die Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO in den 50er Jahren in Borneo kurzerhand flächendeckend DDT gegen die Moskitos gesprüht. Tatsächlich ging die Malariaerkrankung kurzfristig zurück. Dann entdeckten sie, dass die Strohdächer der Häuser einstürzten. Es stellte sich heraus, dass DDT eine Wespenart ausrottete, die die Verbreitung strohfressender Raupen
verhindert hatte. Ohne die Wespen vermehrten sich die Strohfresser. Die Probleme wurden noch schlimmer: Die Raupen wurden von Geckos gefressen, die wiederum von streunenden Katzen. Die Katzen starben, die Ratten vermehrten sich. Die WHO wurde mit einem Ausbruch von Beulenpest und Typhus konfrontiert, Seuchen, die sie selbst hervorgerufen hatte. Sie wurde gezwungen, mit Hilfe der britischen Luftwaffe 14.000 lebende Katzen mit dem Fallschirm über Borneo abzuwerfen.
„Es ist prinzipiell alles ein Problem des Managements“
Der zweite Mythos ist, dass wir, wenn wir genug Wissen und Technologie entwickeln würden, alles managen könnten. Abgesehen davon, dass ein einfacher Blick in unser Privatleben erheblichen Zweifel daran begründen dürfte, wie begrenzt unsere Fähigkeiten zum Management von Beziehungen sind, so sehen wir gerade in diesem Bereich, dass es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen „höherer Bildung“ und Lebensweisheit gibt. Auch die Reaktionsweisen und Kommentare auf die Terroranschläge in den USA weisen darauf hin, wie dünn die Decke der Kultur ist.
Der hartnäckige Mythos der Beherrschbarkeit fristet sein Leben durch Faszination digitaler Spielzüge. Jeder Agrarwissenschaftler und Landwirt weiß, dass noch nicht einmal die komplexen Lebensvorgänge der 20 cm Ackerkrume im Ansatz bekannt sind, von denen unser Leben aber existenziell abhängt, ganz zu schweigen von den großen geosphärischen Prozessen wie dem Klima.
Es ist doch offensichtlich sinnvoller, unsere Gesellschaft an einen begrenzten Planeten anzupassen als davon auszugehen, unsere Erde unseren grenzenlos steigerbaren Konsumbedürfnissen auszusetzen. Aber hier versagt die Politik und verschiebt die Probleme in die stumme Natur, bedient aber lautstarke Interessengruppen.„Die informationstechnische Revolution führt zu relevantem Wissen“
Der dritte Mythos ist, dass die Informationssysteme und Technologien zu immer mehr relevantem Wissen führen werden. Es findet tatsächlich eine Explosion von Daten in technischen Systemen statt. Es findet auch eine Ausweitung der Gesamtzeit von Menschen statt, die sie den Bildschirmen opfern. Ob aber die Zunahmen der Sehzeit, der Ausdehnung von Werbeprogrammen und anderem Infomüll der Kreativität sehr nützlich ist, darf bezweifelt werden. Goethe dichtete noch ohne PC.
(und sagte in „Wahlverwandtschaften“: „Es ist schlimm genug, rief Eduard, dass man jetzt nichts für sein ganzes Leben lernen kann. Unsere Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in ihrer Jugend empfangen; wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen.“) Und Kant verließ
Königsberg weder virtuell noch real, entwickelte aber systemtheoretische
Grundlagen, die heute noch manchem gut zu Verstand stehen könnten: „Der Krieg ist darin schlimm, dass er mehr böse Menschen macht, als er deren wegnimmt.“ Der Computerexperte Weizenbaum spricht von einer „Quatschexplosion“ im Internet und empfiehlt, dass man Kindern auf keinen Fall die Zeit für einen PC auf Kosten der konkreten Verantwortlichkeit für einen Hamster stehlen sollte.
Der PC im Bildungswesen gibt Antworten auf ungefragte Fragen, drängt aber zur Beantwortung alter Fragen. Der PC produziert laufend neue Fragen, deren Beantwortung ohne seine Existenz sinnlos wäre.
Ausweitung eines bestimmten Wissens auf der einen Seite ist immer auch ein Verlust anderen Wissens aufgrund der Begrenztheit der individuellen Wissenskapazität. So ist die Landflucht in die Megastädte der 3. Welt ein konkretes Beispiel: Das Wissen um die Produkte des Werbefernsehens des Entertainments nehmen im Rahmen der Entwurzelungsprozesse zu. Verloren gehen konkrete tradierte Erfahrungen ihrer Kultur, das Wissen um Anbauformen, die Kenntnis von Substistenzbedingungen, lokales Wissen um Pflanzengeografie, einfache Überlebensformen, menschliche Kommunikation.
Im Vergleich zu diesem existenziellen Wissen über Nachhaltigkeit muss sich auch das Hochschulwissen fragen lassen, welche Bedeutung es hat oder ob es sich nicht vor dem eingangs genannten Maßstab manchmal als wertlos erweist. (Ganz sicher die Hochschule für Psychiatrie und Psychologie)
Die Verwechselung von Daten mit Wissen oder gar Weisheit führt zur Konfusion.
Daten liefern keinen Beitrag zur ethischen Entwicklung von Menschen. Sie können in Sinnfragen nicht das tibetanische Totenbuch ersetzen. Diese Datenorientierung kann sogar dazu führen, dass unsere Ignoranz gegenüber dem Wissen, was wir eigentlich für eine sinnvolle nachhaltigkeitsfähige Kultur bräuchten, wächst. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die generalisierte Rede von der sinkenden Halbwertszeit des Wissens irreführend.
Die Bedeutung von Sprache und Kommunikation, die Kenntnis tradierter Formen von Weisheit z. B. der Bibel nehmen in keiner Weise ab.
Die Bedeutung und der Inhalt von Bedienungsanleitungen technischer Geräte ist damit nicht zu vergleichen.
„Die Spezialisierung von Wissenssegmenten ist die Voraussetzung zur Lösung komplexer Probleme“
Ein weiterer Mythos der Bildung ist das Vertrauen darauf, dass die Menschen schon als Individuum zusammenführen werden, was durch die fragmentierte Weltsicht unseres Curriculums getrennt wird.
Wir müssen aber feststellen, dass dies selbst nach 10, 12 oder gar 20 Jahren Schul- und Hochschulausbildung mit anschließender Weiterbildung in der Regel nicht passiert. Immer mehr praxisunfähige Studenten
verlassen die Hochschulen, so zum Beispiel Ökonomen, die nicht einmal ein
rudimentäres Verständnis ökologischer Zusammenhänge besitzen, oder Biologen, die stoffwechselphysiologische oder mulekulargenetisch top sind, aber kein Dutzend heimischer Pflanzen mehr bestimmen können.
„Bildung ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben“
Der fünfte Mythos ist, dass Bildung uns prädestiniert für geistige Mobilität und ein erfolgreiches Leben. Dieses scheint – so der Bildungsforscher David Orr – die arroganteste Annahme zu sein. Das heißt, dass wir, die wir mit unserer technologisch, mechanistischen Weltsicht den Ast absägen, von dem die Existenz unserer gemeinsamen Welt abhängt, uns auch noch die Definitionsmacht über Kultur und Fortschritt anmaßen. Und erfolgreich sind, wenn wir die Maßstäbe unserer öffentlichen Wertschätzung betrachten, diejenigen, denen es gelingt, sich ein größeres Stück vom Konsumkuchen abzuschneiden als andere.
Die Perspektivveränderung Versuchen wir zwei Blickrichtungen. Einmal Abstand durch eine kulturelle Verfremdung unserer Denkweise. Was ist Lernen in der asiatischen Kultur? Wenn wir das deutsche Buchstabenwort „Lernen“ in die chinesiche Zeichensprache übersetzen, finden wir darin unterschiedliche Aspekte.
Dieses Zeichen besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil bedeutet soviel wie „Studieren“ und besteht aus einem Zeichen für „tradiertes Wissen ansammeln“ über einem Symbol, das „ein Kind auf einer Türschwelle“ darstellt. Das zweite Zeichen könnte mit „kontinuierlich Üben“ übersetzt werden und zeigt einen Vogel, der die Fähigkeit entwickelt, sein Nest zu
verlassen. Es besteht aus dem Symbol „Jugend“.
„Lernen“ umfasst in diesem Kontext sowohl das Ansammeln von Wissen nach dem „Bankierskonzept“ (Freire) als auch die Überschreitung von Erkenntnisgrenzen, die Begleitung in neue Lebenssituationen, die Umwandlung in kritischen Lebensereignissen. Darüber hinaus ist Lernen mit der Lebenspraxis des Übens und der Selbstentwicklung verbunden. Zusamengefasst kann dies Zeichen mit dem „Weg der permanenten Selbsterkenntnis und Selbstvervollkommnung“ übersetzt werden.
Versuchen wir eine weitere neue Annäherung an eine neue Sichtweise: Eines der beeindruckendsten Erlebnisse der Weltraumfahrt, so wird übereinstimmend von Astronauten berichtet, ist die Blickfeldveränderung, z.B. der Blick vom Mond auf den Planeten Erde. Diese kleine, blaue, verletzliche Kugel am Horizont zu sehen. die Tatsache, dass also vom Mond aus gesehen die Erde aufgeht, hat die Perspektive vieler Raumfahrer nachhaltig geprägt, verändert und auch für ökologische Zusammenhänge und interkulturelle Engagements sensibilisiert.
So sagte Edgar Mitchell, Astronaut der USA: „Der Höhepunkt unserer Reise war die Erkenntnis, dass das Universum harmonisch, zweckvoll und schöpferisch ist. Der Tiefpunkt lag in der Feststellung, dass sich die Menschheit nicht dieser Erkenntnis gemäß verhielt.“
Die Welt, die Problemlagen sind im Prinzip immer schon ganzheitlich gewesen. Das Problem ist nur, dass wir diese Ganzheitlichkeit in der Regel so nicht wahrnehmen können, sie auch noch sehr subjektiv nach unseren Eindrücken verfärben. Wir sehen auch nicht, wie wir diese Wirklichkeit konstruieren, dass wir Dinge interpretieren und
Phänomene sehen, die es eigentlich gar nicht gibt. So bei einem Produkt unseres Sehens, dem Regenbogen. Eigentlich ist dieser nicht vorhanden. Er konstituiert sich nur dann, wenn jemand ihn sieht. Wenn also ein Auge vorhanden ist, wird die Brechung des Lichtes so, dass wir einen Regenbogen sehen, der als materielles Konstrukt in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist.
Gibt es nun Methoden, Sehweisen, die versuchen, dieses menschliche Defizit auszugleichen?
Wissensmanagement in der Krise –
Es scheint auch Konsens zu sein, darüber zu reden, dass wir uns in einer
„Wissensgesellschaft“ befinden, wo das „Wissen“ zur wichtigsten Ressource wird.
Doch wenn von „Wissensmanagement“ gesprochen wird, nähert sich die praktische Diskussion unausgesprochen schnell wieder dem „Nürnberger Trichter“- Modell.
Diesem Bild liegt die implizite Annahme zugrunde, dass Wissen wie eine
physikalische Ressource gesammelt, verteilt oder gar als Produkt vermarktet werden kann. Wissen wird in diesem Bild zu einer Mengenkategorie, die sich im Sinn der Informationstheorie in Bits und Bytes messen lässt. Groß ist das Erstaunen dann, wenn dieser physikalische Ansatz in der Praxis kaum funktioniert. Vor allem
Organisationen, die vom Anspruch her lernfähig sein möchten, kommen mit diesem reduktionistischen Ansatz nicht weiter.
Sinnvoller wäre es, vom „impliziten Wissen“ zu sprechen, wie es David Bohm formuliert. In Datenbanken und Bibliotheken ist, wie im genetischen Code, kein „Wissen an sich“ gespeichert. Diese stellen Träger potentiellen Wissens dar.
Nur die Motivation, eine Idee in „Wirklichkeit“ zu übersetzen, die Integration über einen „Spannungsbogen“, kann dem in Symbolsystemen und anderen Kontexten potentiell vorhandenen Wissens zu neuen „Einsichten“ verhelfen. Die Erkenntnis formulierte bereits Goethe: „Wer will was Lebendiges erkennen und beschreiben, sucht erst den Geist herauszutreiben. Dann hat er die Teile in seiner Hand. Fehlt leider nur das geistige Band“.
Seit der sogenannten „konstruktivistischen Wende“ wird zumindest in Ansätzen „das geistige Band“ thematisiert, nämlich, dass Wissen vor allem als „dynamischer Prozess“ verstanden werden kann. Das Konzept der „lernenden Organisation“ verweist ebenfalls auf die Rolle der „mentalen Modelle“.
Die systemtheoretische Sicht hilft, dem Begriff des „Etwas“, der Illusion des „Lernstoffs“ auf die Spur zu kommen. Schon diese Sicht des Stofflichen, das „übertragen“, „eingelagert“, „gesammelt“ oder gar „eingetrichtert“ werden kann, macht deutlich, dass es um einen entscheidenden Unterschied geht, nämlich um „sprachliche Beschreibungen“ und das, was wir beschreiben. Nämlich etwa um die Differenz zwischen „Landkarte“ und „Land“. Donella Meadows, Mitautorin des
Buches „Die neuen Grenzen des Wachstums“, meinte daher: „Viele Wissenschaftler glauben, dass ihre größte Stärke in der Fähigkeit liegt, ihr Wissen von ihrem Charakter zu trennen und ihren Wissenschaftsbegriff von ihren ureigensten seelischen Empfindungen zu separieren“.
Elemente eines Umdenkens Wie können, gemessen an den Notwendigkeiten der Überlebensfähigkeit, die Eckpunkte einer neu gedachten Definition von Bildung aussehen? Das erste Prinzip ist so neu nicht.
Paidea statt Stoff
Es ist das griechische Konzept des Paidea. Es geht in der Bildung nicht darum, andere zu beherrschen, sondern seine Persönlichkeit zu entwickeln.
Die Dinge der (Zensuren ?)
Welt sind Lerngegenstände zu diesem Zweck – also eher Methoden. Dagegen
arbeiten wir in unseren Bildungseinrichtungen immer noch in der konfusen Art, dass die Fakten, die wir vermitteln, das Wesentliche sind. Für anderes sind wir nicht zuständig. Ergebnisse verantworten wir nicht. Das ist „Lernen mit begrenzter Haftung“ wie Marianne Gronemeyer es formulierte.
Oder ist das Leben die durch Marketing beschleunigte und durch Infotainment sinnentleerte Konsumzeit zwischen Geburt und Tod?
Kein Text ohne Kontext
Zweitens dürfte deutlich geworden sein, dass alle Bildung unsere Umwelt, besser: Mitwelt tangiert. Ökonomie zu lernen, ohne die Gesetze der Thermodynamik zu kennen, ist schlicht – Unsinn, wie Georgescu Roegen zutreffend feststellte.
Beispiel: Ich war in einem Reha – Trainingszentrum und dort gibt es ja Laufbänder die durch Elektroantriebe bewegt werden und Standräder die sich nicht von der Stelle bewegen und deren Energie vernichtet wird. Während des Radelns überlegt ich wie viel Energie wohl weltweit regenerativ erzeugt werden könnte. Wichtiger noch wäre der pädagogische Effekt. In Kolumbien habe ich zum Beispiel Kinderschaukeln im Park gesehen, die mit Kolbenpumpen verbunden waren. Die Kinder arbeiteten mit
Begeisterung im Spiel an der Bewässerung des Parks.
Was ist und wer hat Verantwortung?
Drittens ist die Frage der Verantwortlichkeit grundlegend. Wenn unsere Tätigkeit dazu beiträgt, technologische Monster zu gebären, für deren Nebeneffekte sich niemand verantwortlich zeigt, entziehen wir unserem Lebenssinn die Grundlage.
Vielleicht ist es genau diese Dimension der Thesen Daniel. G. Goldhagens, die mehr als 50 Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur, zu aufgeregten Diskussionen geführt hat. Welche Verantwortung hatte beispielsweise ein Lokführer auf dem Kurs nach Auschwitz?
Sinn unseres Beschäftigungssystems
Viertens können wir ernsthaft kaum behaupten, wir wüssten, wie wir eine
zukunftsfähige Gesellschaft schaffen können. Aber wäre es nicht sinnlos,
irgendwelche Arbeitsplätze zu schaffen und zu alimentieren, die möglicherweise den Naturverbrauch erhöhen? Aber noch hängt unsere Identität von dieser Ideologie ab.
Dies macht deutlich, wie gründlich über den Sinn von Arbeit und Beschäftigung nachgedacht werden muss.
Die Leerstelle zwischen Wissen und Handeln
Das fünfte Prinzip ist, dass Beispiele und konkrete Praxis immer Theorien und Wortspielen überlegen sind. Warum funktioniert die Umweltbildung häufig nicht, wie wir es erwarten? Warum gibt es die wachsenden Gräben zwischen Wissen und Handeln?
Die öffentlich verantwortende Bildung sollte die Herausforderung der Klärung dieser Grundfragen aufnehmen.
Wenn also Konsens herrscht, dass die „lernende Gesellschaft“ das Leitmotiv für das 21. Jahrhundert sein soll, so ist zu fragen, welches institutionelle Selbstverständnis wir entwickeln können. Liegt es dann nicht nahe, sich selbst als „Lernende Organisation“ zu verstehen, die nicht nur Mittler von Lernprozesse ist, sondern sich selbst als Bestandteil eines solchen Prozesses wahrnehmen kann?
Bildungseinrichtungen als „Lernende Organisationen“
Grundlagen eines systemischen Verständnisses von Organisationen ist die
Beobachtung, dass die Probleme von heute die Lösungen der Probleme von gestern sind.
Für das Selbstverständnis einer Bildungseinrichtung als „Lernende Organisation“ können die „5. Disziplinen“ von Peter Senge, Direktor der Society for Organizational Learning“ des Massachussets Instute of Technology sein. Seien Arbeiten gelten mittlerweile als Basis für Fragen der Organisationsentwicklung im Bereich der Wirtschaft und der öffentlichen Einrichtungen. Diese 5 Disziplinen sind:
1. „Personal Mastery“
„Man lernt, sein persönliches Können stetig auszuweiten, um die Ergebnisse zu erzielen, die einem wirklich wichtig sind, und schafft eine Organisationswelt, die alle Mitglieder ermutigt, sich selbst in die Richtung ihrer selbstbestimmten Ziele und Absichten zu entwickeln“.
2. Mentale Modelle
„Man reflektiert über seine inneren Bilder von der Welt, bemüht sich um
kontinuierliche Klärung und Verbesserung und erkennt, wie sie die eigenen
Handlungen und Entscheidungen beeinflussen.“
3. Gemeinsame Visionen
„Man fördert das gemeinsame Engagement in einer Gruppe, indem man
gemeinsame Bilder von der angestrebten Zukunft entwickelt und indem man die Prinzipien und die wichtigsten Methoden klärt, mit denen man Zukunft gestalten will.“
4. Team Lernen
„Man entwickelt neue Kommunikationsformen und kollektive Denkfähigkeiten, die sicherstellen, dass das Wissen und Können einer Gruppe größer ist als die Summe der individuellen Begabungen. Teams lernen, qualifizierte Diskussionen zu führen und üben sich im Dialog.“
5. Systemdenken
„Man entwickelt eine Denkweise und Sprache, mit der man die Kräfte und
Wechselbeziehungen, die das System steuern, begreifen und beschreiben kann.
Diese Disziplin hilft uns zu erkennen, wie wir Systeme mit den übergreifenden Prozessen der Natur und der Wirtschaft handeln können.“
Eine wesentliche Annahme, warum persönliche und organisationale
Veränderungsprozesse so schwierig sind, ist unser gut trainiertes „strategisches Denken“.
Dialogfähigkeit über diese zentralen Fragen gehört zur Kernkompetenz Lernender Organisationen
Ein Dialog soll bei den Beteiligten dazu führen, dass sie
• eigene Denkmuster- und strukturen erkennen,
• Metakognitive Kompetenz erhöhen
• Reaktivität herabsetzen,
• Aufmerksamkeit und Bewusstheit erhöhen,
• mehr Optionen nutzbar machen,
• neue Bedeutungen erkennen,
kollektive Intelligenz erschließen.
Dialogprojekte sind die Basis für hochkomplexe Problemstellungen des Übergangs von Strukturen der tiefgreifenden Veränderungsprozesse. Beispiele gibt es sowohl im Bereich der Organisationsentwicklung als auch für landesweite Prozesse Bruth and Reconciliation Comittees“ in Südafrika, der strategische Dialog im Bereich der Konsensfindung für die Umweltfrage in Schweden „Det Naturliga Steget“ oder der problembehaftete Versöhnungsprozess in kolumbien „Del Dialogo a la Negociación.“
Von der Fähigkeit von Individuen und Organisationen sich diese Dialogkompetenzen zu erschließen, wird es abhängen, ob demokratische Antworten auf komplexe Problemstellungen der Gegenwart gefunden werden.

Werbeanzeigen

Über igelin

Das Foto ist nicht die Wordpress Blog-Schreiberin, sondern ihr gefolterter, misshandelter, vergifteter, verleumdeter und mit 28 Jahren in der psychiatrischer Forensik Mühlhausen / Thüringen am 27.02.2011 ermordeter Sohn Holger Zierd. Ein hochintelligenter junger Mann auf der Suche nach seinem Selbst. Beruf: Forstwirt, Verantwortlich für die Inhalte dieser Blogs: https://igelin.wordpress.com http://igelin.blog.de Einträge werden geschrieben und/oder ausgewählt von Rosel Zierd, Mutter des in der Forensik Mühlhausen / Thüringen Gefolterten, bei der Zwangsmedikatierung Schulterknochen gesplittert, trotzdem weiter gespritzt bis zum Tod. Verhungert, abgemagert bis auf Haut und Knochen, vergiftet in jeder Körperzelle - am 27.2.2011 ermordeten Gefangenen und Patienten Holger Zierd. Das Ökumensiche Hainich Klinikum ist Eigentum der christlichen evangelischen und katholischen Kirche . Holger fand nirgends Gehör - die ärztlichen ökonomischen Gesichtspunkte sind wichtiger als Gesetze und Menschenrecht oder Menschenwürde. Ich habe meinen Sohn an seinem 29. Geburtstag beerdigt. In die Psychiatrie wurde er eingeliefert ohne einem Menschen Schaden angetan zu haben und ohne einem Menschen auch nur ein böses Wort gesagt zu haben. Verurteilt von Psychiatern seit er die Schwelle der Psychiatrischen Klinik überschritten hatte. Da die Staatsanwaltschaft Thüringens die Ermittlung sowohl wegen Körperverletzung als auch wegen Mord und Beihilfe zum Mord nicht durchführt weil die Täter zuvor eine psychiatrische Diagnose erfunden haben, schreibe ich hier im Internet die Anklage gegen die Täter und hoffe, dass ich anderen Menschen Informationen vermitteln kann, die wir erst in 6 Jahren suchen und finden mussten. Möge Gott uns helfen. Mit der Angabe meiner vollständigen Adresse erkläre ich mich voll verantwortlich für die von mir geschriebenen und veröffentlichten Erfahrungen und Meinungen - sowie Erkenntnisse und für die Auswahl der Links und kopierten Artikel. Rosel Zierd (Mutter von Holger Zierd) Sorghofstraße 10 36433 Bad Salzungen Telefon: 03695 - 66 54 17 Handy. 0176 - 64 19 02 72 Internet: http://kabale.se Email: info@kabale.se Ich hoffe, dass meine Einträge für die Täter und Nicht-Denker unbequem sind und sie mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind. Für den Fall, dass diese mir meinen Sohn lebendig und gesund und munter zurück geben, wie er vor der psychiatrischen Misshandlung gewesen ist, dann werde ich meine Meinung revidieren und meine Veröffentlichungen löschen.
Dieser Beitrag wurde unter Medien abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu die Macher mit Marketing-Charakter

  1. Für dieses völlig andere „Denken“ sind unsere Kinder geboren, die Kinder mit einer blauen Aura.
    Anstatt sie wegen Unterforderung auszugrenzen und mit Ritalin ruhig zu stellen, ist dieser völlig neue Ansatz das Thema für unsere Kinder.
    Holger war auch ein Kind mit einer blauen Aura.
    Er hatte ein großartiges IntelligenzPotential. Dieses andere Denken – war ihm so selbstverständlich wie atmen. Nur weil dies die alten Materialisten nicht verstehen – war er nicht gestört oder geisteskrank oder gefährlich. Für diese kontitionierten Affen nur unverständlich.
    Es sind diese Kinder, die die Staatsschulen aussortieren, die die Welt verändern können und werden.
    Sie sind geboren, sie sind unter uns.
    Nicht irgendwo außerirdisch, sondern in unsere Familien hineingeboren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s