Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt

§ 1 der Psychiater hat immer Recht
§ 2, wenn der Psychiater einmal nicht Recht hat, dann tritt automatisch § 1 in kraft.

Alle machen mit, keiner weis bescheid.
Es gibt keine Beweise für die Existenz der psychiatrischen Störungen oder Krankheiten – aber die be-handeln und sie operieren und vergiften.
Aber die Psychiater be-handeln, mit dem Erfolg, der Patient siecht dahin, vegetiert so vor sich hin, lebt in Behindertenheimen oder stirbt, wenn er Glück hat (20 % der psychiatrischen zwangsbehadelten Patienten) bereits nach den ersten Stunden der ominösen Behandlung durch Muskellähmung, durch Blutvergiftung, durch Leber- oder Nierenversagen und Herzstillstand, durch Empolie wenn er Pech hat, wird er noch Jahre gefoltert, zwangsgehandelt, zusammengeschlagen, ans Bett gefesselt, ins Koma gespritzt, verleumdet, belogen, verhöhnt, isoliert, schikaniert, verletzt in seiner Menschenwürde und und und.

Das neueste, was sich diese Monster ausgedacht haben ist der Gehirnschrittmacher und sicher bekommt da wieder ein besonders unmoralischer Forscher den Novellpreis – auch wenn der Patient die Operation nicht überlebt, aber diese Operation am menschlichen Körper ist machbar, und wird gut bezahlt, also wird sie gemacht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lobotomie
Lobotomie
Die Lobotomie (von altgr. λοβός lobós „Lappen“ und altgr. τομή tomé „das Schneiden“, „der Schnitt“), oft synonym mit Leukotomie (altgr. λευκός leukós „weiߓ und altgr. τομή tomé „das Schneiden“, „der Schnitt“) verwendet, ist eine neurochirurgische Operation, bei der die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen sowie Teile der grauen Substanz durchtrennt werden.
Sie wurde ursprünglich zur Schmerzausschaltung in extrem schweren Fällen angewendet, dann bei agitierten psychischen Erkrankungen wie Psychosen und Depressionen.
Als Folge der Lobotomie tritt eine Persönlichkeitsänderung mit Störung des Antriebs und der Emotionalität auf.
Nach zunehmender Kritik wurde die Lobotomie weitgehend durch die Behandlung mit Psy-chopharmaka und stereotaktischen Operationen ersetzt, z. B. die Thalamotomie und die Zingulotomie.

Der Begriff Leukotomie leitet sich ab von leukos (gr. weiß), der Bezeichnung für die Faserverbin-dungen, welche die weiße Substanz des Zentralnervensystems bilden, und tome (Schnitt). Darum dürfte diese Bezeichnung strenggenommen nur bei der Schädigung der weißen Substanz verwendet werden. Da bei der Operation jedoch sowohl graue als auch weiße Substanz zerstört wird, verwen-det man die Begriffe Lobotomie und Leukotomie praktisch synonym.

Diese Hirnoperationstechnik wurde von Mario Fiamberti (1894–1979) in Italien und António Egas Moniz in Portugal gleichzeitig in Angriff genommen. 1936 wurde sie erstmalig am Menschen aus-geführt. Moniz wurde dafür 1949 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Ab Anfang der 1940er Jahre entwickelten der amerikanische Psychiater Walter Freeman (1895–1972) und der Neurochirurg James Winston Watts (1904–1994) die Methode zu einer populären Standardtechnik der Psychiatrie, die unter dem Namen Lobotomie bis ca. 1955 in den meisten Industriestaaten, ins-besondere jedoch im anglo-amerikanischen Raum, eingesetzt wurde.
Walter Freeman schrieb ohne Beschönigung: Die Psychochirurgie erlangt ihre Erfolge da-durch, dass sie die Phantasie zerschmettert, Gefühle abstumpft, abstraktes Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum schafft.[1]
Freeman wird oft im Zusammenhang mit der exzessiven, übertriebenen und schädlichen Durchfüh-rung der Lobotomie genannt.
Anfangs übernahm er die Technik von Egas Moniz und verfeinerte sie gemeinsam mit Watts. Später entwickelte er die transorbitale Operationsmethode, welche von lediglich einer Person, welche nicht einmal eine neurochirurgische Qualifikation benötigte, ausgeführt werden konnte.
Damit wollte Freeman die massenhafte Verbreitung der zeit- sowie kostengünstigen Methode vor-antreiben. Als es in Folge der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges in den USA zu ei-nem sprunghaften Anstieg psychischer und psychiatrischer Erkrankungen kam, wurde die von vie-len Experten anfangs als Wundermittel gepriesene Lobotomie in tausenden von Fällen in den USA – oft mit negativen Folgen – durchgeführt. Dazu kam, dass man noch nicht über wirksame Medika-mente gegen diese Erkrankungen verfügte – mit Chlorpromazin wurde 1952 das erste wirksame Psychopharmakon massenhaft auf den Markt gebracht.
Walter Freeman ließ jedoch auch nach der Einführung von Psychopharmaka und der weitgehenden Ablehnung der irreversiblen operativen Methoden in der Praxis nicht von seiner transorbitalen Lo-botomie ab. Sein Wille, die Methode zu verbreiten und Kollegen zu überzeugen, erreichte dabei bizarre Auswüchse: So operierte er vor den Augen zahlreicher Zuschauer sowohl im Fernsehen als auch in Hörsälen Patienten im Akkord (mehrere Dutzend pro Tag). Des Weiteren reiste er in einem Wohnmobil, dem von ihm so getauften Lobomobil, von Klinik zu Klinik durch die USA und ope-rierte einen Patienten nach dem anderen. Zeit seines Lebens pries er die Lobotomie als optimale Behandlungsform und operierte bis zu seiner Pensionierung 1962 weiter, insgesamt ca. 3600 Pati-enten.[2]
Eine historische Untersuchung aus den 1980er Jahren berichtet über Lobotomien in der Sowjetuni-on, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Indien, Australien, Japan, Kanada, Argentinien und der Tschechoslowakei.
In Schweden sind bis 1963 laut einem Bericht des staatlichen schwedischen Fernsehsenders SVT vom April 1998 etwa 4.500 Menschen lobotomiert worden, viele davon gegen ihren Willen.[3]
Mindestens 500 von ihnen waren nach heutiger Lesart keine psychiatrisch Erkrankten, sondern u.a. hyperaktive oder zurückgebliebene Kinder. In Finnland waren es bis 1969 etwa 1500 Menschen, die lobotomiert wurden. In Norwegen wurden von 1941 bis 1981 zwischen 3000 und 4000 Personen lo-botomiert.[4]
Weltweit werden die durchgeführten Operationen auf etwa eine Million geschätzt.[2] In den 1950er Jahren wurde die Operation unter anderem durchgeführt, um Homosexualität oder eine kommun-istische Einstellung zu „kurieren“.[5]
Im Jahre 1967 lokalisierten die Harvard-Autoren V. Mark, F. Ervin und W. Sweet in einem Leser-brief im Journal of the American Medical Association, dem offiziellen Organ der amerikanischen Ärztevereinigung, die Ursache der Rassenunruhen von Detroit in einer „fokalen Hirnstörung“, die man nur operativ entfernen müsse, um weitere Unruhen zu verhindern. 1970 erschien Marks und Ervins Buch Violence and the Brain[6] (Gewalt und das Gehirn), in dem die beiden die Psycho-chirurgie als endgültige Lösung für das Problem der Gewalt vorschlagen, beispielsweise bei unbe-lehrbaren Gefängnisinsassen.
Der Psychiater L. G. West nannte diesen Ansatz 1969 in einem Artikel den „biosozialen Humanis-mus“. Der kalifornische Psychiater H. Brown empfahl 1979 die Psychochirurgie zur „Rehabilita-tion“ jugendlicher Straftäter.
In der Londoner Times und der Washington Post wurden Browns Vorschläge diskutiert – mit dem Hinweis darauf, dass diese Art der Resozialisierung mit nur 6000 US$ weitaus kostengünstiger sei als eine lebenslange Verwahrung, die um 100.000 US$ an Kosten verursache.
Wegen der erheblichen Nebenwirkungen und mit dem Aufkommen der Psychopharmaka ge-riet die Methode bereits Anfang der 1950er Jahre wieder in Verruf.
Die amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen begannen um 1960, gegen die Lobotomie vorzuge-hen. Ken Keseys Roman Einer flog über das Kuckucksnest zeigte 1962 drastisch die Auswirkungen der Operation auf psychiatrische Patienten.
Der Roman wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und 1975 von Milos Forman erfolgreich verfilmt. Der 2011 erschienene Film Sucker Punch thematisiert in der Handlung die Lobotomie als düsteres Stilmittel mit schockierenden Auswirkungen.
Ursprüngliche Methode
Die ursprüngliche, von Moniz entwickelte und von Freeman und Watts in den USA verfeinerte Me-thode wird auch als Präzisionsmethode bezeichnet. Sie erfordert die Teilnahme von mindestens zwei Personen an der Operation: eines Neurologen und eines (Neuro-)Chirurgen.
Dabei ging man folgendermaßen vor: Es wurde bilateral (auf beiden Kopfseiten) ein etwa zwei Zen-timeter durchmessendes Loch in den Schädel gebohrt, wobei man sich an der vorderen Schädelnaht (Sutura koronalis) und weiteren Punkten orientierte. Die Löcher befanden sich in etwa drei Zenti-meter vor und fünf Zentimeter oberhalb des Ohres – also im Bereich des präfrontalen Kortex.
Anschließend wurden die beiden Bohrlöcher um einige Millimeter manuell erweitert. Nun führte der Chirurg auf (etwa) horizontaler Ebene ein längliches Messer, oder ein spezielles Leukotom, in den Schädel ein. Ihm gegenüber, auf der anderen Kopfseite, befand sich der Neurologe, welcher die Vordringungsrichtung des Leukotoms dirigierte. Zunächst wurde dieses vom Chirurgen unter An-peilung der gegenüberliegenden Schädelbohrung bis kurz vor die Mitte des Schädels bzw. Gehirn (vor Erreichung der fissura longitudinalis) geschoben. Die Orientierung erfolgte dabei zudem an weiteren, innenliegenden Schädelpunkten.
An diesem Punkt führte der Chirurg die eigentliche Lobotomie durch, bei welcher weite Teile der Faserbahnen in der weißen Substanz sowie einige Bereiche der grauen Substanz im Ge-biet des präfrontalen Kortex irreversibel zerstört wurden. Dazu schwenkte er das eingeführte Leukotom in vorgeschriebenen Winkeln in der koronaren Ebene nach oben und unten. Somit wurden Teile des Gehirns einfach „zerschnitten“. Anschließend wurde die gleiche Prozedur in der anderen Hirnhemisphäre durchgeführt.

Freemans Transorbitale Methode
Freeman entwickelte die neue Operationsmethode aus zwei Gründen: Zum einen war bei ihrer Aus-führung lediglich ein mehr oder minder fachkundiger Mensch vonnöten; zum anderen war sie we-sentlich zeit- und kostengünstiger, erforderte nicht einmal eine Vollnarkose oder die Öffnung des Schädels. Teilweise dauerte die gesamte Operation von Eintreffen bis Verabschiedung des Patienten nicht einmal eine Stunde.

Bei der Operation wurde dem lokal oder vollständig anästhetisierten Patienten vom Opera-teur (der in den seltensten Fällen ein ausgebildeter Chirurg war) ein langes spitzes Werkzeug oberhalb der Augenhöhle in den Kopf eingeführt. Dafür wurde dem Patienten das Augenlid angehoben, die Spitze des Werkzeuges über dem Auge vorbei eingeführt und durch den Schädel durchgeschlagen.

Da der Schädel im Bereich der Augenhöhlen seinen dünnsten Bereich aufweist, genügte meist ein leichter Schlag an das hintere Ende des Werkzeuges, um in das Gehirn vorzudringen. Freeman ent-wickelte als Werkzeug ein Gerät, welches einem Eispickel nachempfunden war – weshalb diese Methode oft als „Eispickelmethode“ bezeichnet wird.

War die Spitze des Werkzeuges im Gehirn bis zu einem der subjektiven Schätzung überlasse-nen Punkt vorgeschoben, wurde es wie bei der alten Methode geschwenkt, um die Materie in den anvisierten Hirnbereichen zu zerstören. Die gleiche Prozedur wurde anschließend in der anderen Hemisphäre durchgeführt.

Die einzigen sichtbaren Schäden, welche die Patienten davontrugen, waren meist lediglich „Veil-chen“ am Auge.

Anfangs ließ Freeman seine Patienten noch in Vollnarkose versetzen. Später führte er seine Opera-tionen unter lokaler Betäubung durch. Dies hatte den Vorteil, dass er die Patienten simultan befra-gen konnte.

Besonders bizarr erscheint dabei die Tatsache, dass Freeman nur dann das Ausmaß der Sub-stanzzerstörung im Gehirn für ausreichend erachtete, wenn seine Patienten ernsthafte kogni-tive Probleme, z.B. bei arithmetischen Aufgaben, zeigten.

Denn er hatte beobachtet, dass scheinbar nur Patienten, welche zumindest vorübergehend derlei Be-einträchtigungen aufwiesen, auch wirklich eine Symptomlinderung ihrer psychischen Beschwerden zeigten. Letztlich verwendete Freeman zur Narkotisierung seiner Patienten Elektroschocks.

Diese Methode hatte er der elektrokonvulsiven Behandlung von Depression entlehnt. Er ver-setzte den Patienten drei aufeinander folgende starke Schocks über am Kopf angebrachte Elektro-den. Dies führt in der Regel (neben Krampfanfällen) zu vorübergehender Bewusstlosigkeit.

Belege zur Wirksamkeit
Es gibt kaum empirische Belege für die Wirksamkeit der Methode. Zwar existieren eine Vielzahl von positiven, subjektiven Berichten und Einschätzungen (meist von den Verfechtern der Methode), es wurden jedoch keine kontrollierten, objektiven Studien durchgeführt.

Zu den Störungen, bei denen die Methode (angebliche) Effekte zeigte, gehören insbesondere schwe-re Depressionen und Zwangserkrankungen sowie in geringerem Ausmaß Angst- und Panikstörun-gen. In nur sehr wenigen Fällen wird von erfolgreicher Anwendung bei Schizophrenien bzw. psy-chotischen Symptomen berichtet.

In Deutschland wurden seit den 1970er Jahren keine Lobotomien in der oben geschilderten Weise mehr durchgeführt.
Heutige Bedeutung
Unter dem Begriff „Leukotomie“ werden heute mikrochirurgische Techniken subsumiert, bei denen gezielt epileptogene Zentren ausgeschaltet werden (Nr. 5-013.7 des aktuell in der Bun-desrepublik Deutschland gültigen Operationenschlüssels -OPS-).
Psychiatriekritiker bezeichnen die Elektrokrampftherapie, therapeutisches Insulin-Koma (Insulin-schocktherapie) und Neuroleptika als „nichtinvasive Lobotomien“, da ihrer Ansicht nach bei die-sen Techniken Nervengewebe mit gleicher oder ähnlicher Zielsetzung zerstört wird.[7]
Neuere Experimente mit Hirnschrittmachern zielen auf dasselbe Ergebnis, und zwar die Still-legung von überaktiven Nervenbahnen.[8]

Weiterführende Literatur
Hans Bangen: Geschichte der medikamentösen Therapie der Schizophrenie. Berlin 1992, ISBN 3-927408-82-4, S. 63–68 (Lobotomie).
Elliot Valenstein: Great and Desperate Cures. New York 1986, ISBN 0-465-02711-3.
G. J. Diefenbach, D. Diefenbach, A. Baumeister, M. West: Portrayal of lobotomy in the popular press: 1935-1960. In: Journal of the history of the neurosciences Band 8, Nummer 1, April 1999, S. 60–69, ISSN 0964-704X. PMID 11624138.
R. Zalashik, N. Davidovitch: Last resort? Lobotomy operations in Israel, 1946-60. In: History of psychiatry Band 17, Nummer 65 Pt 1, März 2006, S. 91–106, ISSN 0957-154X. PMID 17153476.
H. H. Jasper: A historical perspective. The rise and fall of prefrontal lobotomy. In: Advances in neurology Band 66, 1995, S. 97–114, ISSN 0091-3952. PMID 7771315. (Review).
J. Braslow: Therapeutic effectiveness and social context: the case of lobotomy in a California state hospital, 1947-1954. In: The Western journal of medicine Band 170, Nummer 5, Mai 1999, S. 293–296, ISSN 0093-0415. PMID 10379224. PMC PMC1305592. (Review).
Weblinks
Alick Elithorn, Eric Glithero, and Eliot Slater. Leucotomy for Pain. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1958 November; 21(4): 249–261. PMCID 497327
Radiofeature mit umfangreichem Text in dem ein Betroffener seine Geschichte erzählt (englisch)
Spiegel-Online Artikel zur Lobotomie
Informationen zu Lobotomie im BAM-Portal
Wiktionary: Lobotomie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Fußnoten
↑ P. R. Breggin: Elektroschock ist keine Therapie, 1989, Urban & Schwarzenberg, S. 175.
1.↑ a b E. S. Valenstein: The psychosurgery debate, Freeman & Co., San Francisco 1980
2.↑ Der Kurier, Wien, vom 7. April 1998
3.↑ mat & helse Nr. 3/06, S. 18
4.↑ Jonathan Ned Katz: Gay American History, 129-207
5.↑ Vernon H. Mark, Frank R. Ervin: Violence and the Brain, Harpercollins College Div, 1970, ISBN 978-0-06-141698-9
6.↑ Peter Lehmann:Demokratische Psychiatrie oder Antipsychiatrie? Zur Lösung der Psychiatrie-Frage in: »Gemeindepsychiatrische Wirklichkeit. Kritik der modernen Sozialpsychiatrie«, erschienen in: Störfaktor – Zeitschrift kritischer Psychologinnen und Psychologen (Wien), 3. Jg. (1989), Heft 9/10, Nr. 1, S. 6–19
7.↑ Deutsches Ärzteblatt Oktober 2004 – Stereotaxie/Hirnschrittmacher: Rückkehr der Psychochirurgie, S. 472
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,562025,00.html

05.07.2008Frühe Neurochirurgie
Hirn-OP mit dem Eispickel
Von Ralf Berhorst
Ob Depressionen, Angstzustände oder Alkoholismus – der Neurologe Walter Freeman glaubte um 1950, psychische Erkrankungen durch grobe Schnitte ins Gehirn heilen zu können. Die Methoden des „Hirnschneiders“ waren rabiat, die Folgen für die Patienten fatal.
Der zwölfjährige Howard Dully liegt festgeschnallt auf einem Krankenbett. Vier Elektroschocks hat ihm der Neurologe Walter Freeman versetzt.
Nach dem ersten Stromstoß aber kam der Junge schnell wieder zu Bewusstsein. Daraufhin wurde sein Gehirn drei weitere Male unter Spannung gesetzt – mit Erfolg: Howard ist ins Koma gefallen.

Walter Freeman bei einer Lobotomie (Archivbild vom 11.7.1949): Unter dem oberen Augenlid vorbei schiebt Freeman ein eispickelartiges Instrument ins Gehirn des Patienten und zerstört damit Nervenstränge im Vorderhirn.
Jetzt kann Freeman mit der Operation am Gehirn beginnen. Er greift zu einer 20 Zentimeter langen Stahlnadel mit einer scharfen Klinge an der Spitze. Mit der freien Hand hebt er ein Lid des Jungen an und schiebt das Instrument seitlich am Augapfel vorbei, immer tiefer in den Kopf hinein. Als er an die Wölbung stößt, die Augenhöhle und Gehirn voneinander trennt, nimmt Freeman ein Häm-merchen: Ein kurzer Schlag genügt, um die Stahlnadel durch die dünne Knochenschicht zu treiben.

Jetzt kann Freeman sein Werkzeug direkt in das Stirnhirn des Jungen drücken, fünf Zentime-ter tief. Durch die andere Augenhöhle führt er ebenfalls eine Stahlnadel ein.
Dann fasst er beide Instrumente und schwenkt sie hin und her, um so Nervenfasern in den Stirnlappen durchzuschneiden: Signalstränge, die zum Zwischenhirn führen, Wahrnehmun-gen und Gedanken mit Gefühlen verbinden – und die, so glaubt Freeman, in Howards Kopf falsch verknüpft sind. Die Schnitte ins Hirn sollen seine Persönlichkeit verändern.
Freeman lässt noch ein Foto machen, dann zieht er beide Stahlnadeln heraus. Nicht einmal zehn Mi-nuten dauert die Operation im Doctors General Hospital in San Jose, Kalifornien. Zehn Minuten, die Howard Dullys Leben beinahe zerstören.
Zwei Monate zuvor, im Oktober 1960, ist Howards Stiefmutter in Freemans Büro erschienen. Etwas stimme nicht mit dem Jungen. Er sei aufsässig, schneide boshafte Grimassen, benehme sich schlecht bei Tisch. Kleinere Diebstähle habe er schon begangen, etwa Kleingeld aus einem Zeitungskasten geklaut.
Sechs Psychiater hat die Stiefmutter bereits aufgesucht. Alle haben sie fortgeschickt mit der Diag-nose, Howard sei völlig normal. Doch das ist nicht die Antwort, die seine Stiefmutter hören will.

Freeman will den Jungen heilen – durch Lobotomie
Walter Freeman unterhält sich mit dem Jungen. Howard mag den Psychiater sofort. Der kultivierte, elegante, freundliche Mann hat warme Augen und eine sanfte Stimme. Und er kann zuhören – an-ders als Howards Eltern. Zu Hause wird der Junge verprügelt, wenn er sich auf dem Heimweg von der Schule verspätet oder unerlaubt eine Banane vom Küchentisch nimmt. Oft ist sein Körper von Blutergüssen übersät. Dabei hat Howard gute Noten und ist ein ausgezeichneter Schachspieler. Aber seine Stiefmutter will ihn loswerden.
Nach mehreren Gesprächen steht Freemans Diagnose fest: Der Junge leide an Schizophrenie. Doch er könne geheilt werden – durch eine „Lobotomie“, eine Operation an den Stirnlappen des Gehirns, die sein trotziges Wesen besänftigen werde. Die Eltern stimmen zu.
Howard ahnt nicht, was mit ihm geschehen soll, als er 16 Tage später ins Krankenhaus kommt. Er weiß nicht, dass Walter Freeman schon Tausende „lobotomisiert“ hat. Dass der 65-Jährige vorhat, die psychiatrische Medizin zu erneuern – mit einer Operation, die manche für einen Meilenstein der Wissenschaft halten und die andere an ein mittelalterliches Folterritual gemahnt.
Walter Freeman, geboren am 14. November 1895 in Philadelphia, stammt aus einer wohlha-benden Familie. Er studiert Sprachen und Geschichte in Yale, eher ziellos. Dann jedoch wen-det er sich der Medizin zu. Freeman faszinieren plötzlich Nervenkrankheiten und die Physio-logie des menschli-chen Gehirns.
Es sind die Jahre, in denen Sigmund Freuds Psychoanalyse in den USA populär wird. Doch die neue Theorie hat starke Widersacher. Sie glauben, dass Erkrankungen der Psyche rein organische Ursachen haben: Fehlfunktionen des Nervenapparats, die durch Gespräche nicht zu kurieren sind. Auch Freeman zählt zu den Anti-Freudianern.
Tatsächlich versagt Freuds Analyse bei schweren Psychosen zumeist, viele Patienten werden in den Heilanstalten nur verwahrt.
Deshalb wagen Nervenärzte in Europa und den USA immer rabiatere Kuren. Sie lassen Elek-trizität durch die Körper Depressiver laufen, traktieren Schizophrene mit Eisbädern und Du-schen, injizieren ihnen Malaria-Erreger, um ein „heilendes“ Fieber zu erzeugen, oder giftige Zyanide, um Gehirn und Nervensystem zu stimulieren.

Nebenwirkungen nimmt Freeman in Kauf
Auch Walter Freeman, der ab 1924 in Washington als Neurologe und Psychiater arbeitet, wendet die Schocktherapien an. Er spritzt Substanzen wie Insulin und Metrazol (ein Analeptikum, dass starke Krampfanfälle auslöst, ähnlich wie bei der Elektroschocktherapie), selbst wenn sich die Patienten danach in so starken Krämpfen winden, dass sie manchmal Knochenbrüche erleiden.
Die Nebenwirkungen nimmt Freeman in Kauf. Denn dass die Psychiatrien in den USA so überfüllt sind, hält er für eine Verschwendung menschlicher Ressourcen. Er will aus Kranken nützliche Mit-glieder der Gesellschaft machen – gleich mit welchen Mitteln.
Im Frühjahr 1936 liest Freeman in einem medizinischen Journal von einer radikal neuen Methode: In Portugal operiert der Neurologe Egas Moniz psychisch Kranke direkt am Gehirn, um sie zu ku-rieren. Er bohrt ihnen zwei Löcher ins Schädeldach und dringt mit einer Kanüle zu den Stirnlappen vor.

2. Teil: Empörung über die neue „Psychochirurgie“

Bis dahin ist wenig bekannt über die Funktion der einzelnen Hirnareale. Man weiß aber, dass sich in den Stirnlappen unzählige Nervenfasern verzweigen.
Moniz glaubt, dass diese Verbindungswege bei Gemütskranken gleichsam er-starrt sind, dass sich in ihnen fixe Ideen und Wahnvorstellungen verfestigt ha-ben. Man müsse die Nervenbahnen zerstören und das Gehirn zwingen, neue, gesündere Verbindungen zu knüpfen.
Anfangs spritzt Moniz Alkohol in die Stirnlappenregion, um die Nervenfasern abzutöten. Dann vollführt er mit einer Stahlschlinge oder kleinen Schneideklinge kreisrunde Schnitte, um Nervenge-webe zu durchtrennen: ein höchst ungenauer und zerstörerischer Eingriff.
Viele Patienten leiden danach an Fieber, Gesichtsstarre, wirken desorientiert und apathisch – das alles, so glaubt Moniz, seien nur vorübergehende Symptome.
Nach 20 Operationen verkündet der Portugiese in einem Aufsatz, 70 Prozent seiner Patienten seien völlig kuriert oder in besserer Verfassung als zuvor und sie hätten weder an Gedächtniskraft noch Intelligenz eingebüßt. Besonders gut wirkten die Schnitte ins Gehirn gegen Depressionen.
Doch die Erhebung ist viel zu hastig publiziert, die langfristigen Folgen sind vollkommen ungewiss. Viele Psychiater reagieren empört auf die neue „Psychochirurgie“. Zumal Moniz für seine Theorien jeden Beweis schuldig bleibt.
Walter Freeman aber ist beeindruckt von den Ergebnissen des Portugiesen – ob dessen Theorie tat-sächlich stimmt, ist ihm gleichgültig. Der Mann aus Philadelphia träumt davon, ein Pionier der Psy-chochirurgie in den USA zu werden.
Kurzerhand bestellt er einige der Instrumente, mit denen Moniz operiert. Weil er keine chirurgische Ausbildung hat, bittet Freeman einen Neurochirurgen um Hilfe. Gemeinsam üben sie an Leichen die neue Operationsmethode.
Die Fehlschläge bremsen Freemans Eifer nicht
Im September 1936 fühlen sie sich für den Eingriff gerüstet. Ihre erste Patientin ist eine 63-jährige Hausfrau aus Kansas, die an Schlaflosigkeit, Ängsten und Depressionen leidet. Sie trepanieren in den Schädel zwei Löcher und setzen an zwölf Stellen Schnitte in die Stirnlappen.
Mehrere Tage danach stottert die Patientin und ist unfähig, leserlich zu schreiben. Freeman und sein Kollege gratulieren sich zu einem „brillanten“ Ergebnis: Offenbar sind alle Ängste verschwunden – und sie kann bald wieder ihren eigenen Haushalt führen.
Freeman ist wie euphorisiert. Auch eine zweite Patientin scheint von ihren Depressionen und Halluzinationen befreit zu sein: Die Buchhalterin kann zwei Monate nach der Operation sogar ihre Arbeit wieder aufnehmen.
Aber es gibt auch Rückschläge: Die vierte Patientin leidet nach sechs Wochen erneut an ihren alten Angstzuständen. Und beim fünften Eingriff verletzen die beiden Ärzte Blutgefäße im Gehirn des Operierten. Die Folgen: epileptische Anfälle und Blaseninkontinenz.
Die Fehlschläge bremsen Freemans Eifer nicht. Nach nur sechs Versuchen lädt er einen Reporter ein, Zeuge einer „Lobotomie“ zu sein, wie er die Schnitte in die Stirnlappen (engl. = frontal lobes) nun nennt. In dem Artikel vom November 1936 wird die Operation als eine der wohl „größten chi-rurgischen Erfindungen“ der Gegenwart gefeiert.
Nur wenige Wochen später der erste Todesfall: Eine 60-Jährige stirbt nach der Operation an einer Gehirnblutung. Der Kunstfehler hat keinerlei Konsequenzen für die beiden Ärzte.

Die meisten Fachkollegen bleiben skeptisch
Dabei erleiden auch andere ihrer Patienten Hirnschäden, müssen zum Teil gefüttert oder lange ge-pflegt werden. Rosemary Kennedy, die Schwester des späteren US-Präsidenten, hat nach ihrer Lobotomie 1941 den Verstand eines Kindes und verbringt 63 Jahre in geschlossenen Anstal-ten.
Selbst Freeman hält den Eingriff zu dieser Zeit nach wie vor für ein letztes, da besonders riskantes Mittel. Zugleich aber propagiert er die Lobotomie auf Kongressen im ganzen Land. Die meisten Fachkollegen bleiben skeptisch. Sie halten die Operation für zu zerstörerisch, manche auch für kri-minell.
Nur einige andere Neurologen erproben die neue Psychochirurgie. Weniger wohl, als sich Freeman erhofft. Zwischen 1940 und 1944 verzeichnen die Krankenakten in den USA 684 Lobotomien. Al-lein Walter Freeman hat bis 1943 mehr als 200 Patienten operiert, die Erfolgsquote gibt er mit 63 Prozent an.
Sein missionarischer Eifer ist damit nicht gestillt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die 180 staatlichen Psychiatrien des Landes überfüllt. Hunderttausende, schätzt Freeman, warten in den Anstalten auf Behandlung. Möglichst vielen will er mit einer Lobotomie helfen. Sie soll bald nicht mehr das allerletzte Mittel sein, sondern der erste Schritt zu einer Therapie. Dazu aber muss er den aufwendigen Eingriff vereinfachen.
Freeman erinnert sich, dass es einen leichteren Zugang zum Gehirn gibt, als Löcher in die Schädel-decke zu bohren: durch die Augenhöhle (Orbita), die von den Stirnlappen nur durch eine dünne Knochenwand getrennt ist.
Aber noch fehlt ihm ein geeignetes Werkzeug, die Instrumente des Portugiesen brechen zu leicht. Zu Hause wird er fündig: Ein langer stählerner Pickel, mit dem man Cocktail-Eis zer-stoßen kann, scheint genau richtig.
3. Teil: Freemans Vision: Psychiater überall im Land sollen Eispickel-Lobotomie praktizieren

Im Januar 1946 erprobt Freeman erstmals die „transorbitale“ Lobotomie. Einer 29-jährigen Frau, die unter manischen Schüben und Depressionen leidet, schiebt er den Eispickel am Augapfel vorbei ins Stirnhirn. Dann schwingt er das Instrument hin und her, um Nervenbahnen zu durchtrennen. Die Patientin scheint schlagartig geheilt; zwar wirkt sie in ihrem ganzen Wesen auffallend gedämpft, kann aber wieder als Krankenschwester arbeiten.
Diesmal hat Freeman nicht in einem Krankenhaus operiert, sondern in seinem Büro – das spart Zeit und Geld. Auch die Betäubungsmethode ist unkonventionell: Freeman versetzt seine Patienten durch Elektroschocks in ein kurzes Koma. Nach dem Aufwachen schickt er sie im Taxi nach Hause. Er operiert ohne sterile Handschuhe, ohne Gesichtsmaske und Arztkittel, alles soll schnell gehen.

Die transorbitale Methode ist lebensgefährlich
Freemans Vision: Künftig sollen Psychiater überall im Land die Eispickel-Lobotomie praktizieren. Die transorbitale Methode dauert ja nur etwa sieben Minuten.
Doch sie ist lebensgefährlich, jederzeit können Blutgefäße im Kopf verletzt werden, kann sich Hirn-gewebe infizieren. Entsetzt wendet sich der Neurochirurg, mit dem Freeman bis dahin operierte, von ihm ab. Der aber lässt sich nach dem Modell des Eispickels neue Spezialwerkzeuge anfertigen, aus hartem Stahl und mit scharfer Klinge.
Denn inzwischen öffnen ihm immer mehr Psychiatrien im Land ihre Tore. Das Personal ist mit den Patienten oft überfordert – und Freemans Versprechungen klingen verlockend. Tatsächlich können viele nach seiner Eispickel-Lobotomie entlassen werden: Weil die Schnitte offenbar alle Emotionen kappen, aus Psychotikern friedfertig-apathische Wesen machen.
Der Operateur hofft, in die Geschichte der Medizin einzugehen – als ein Revolutionär, der alte Menschheitsübel wie Depression und Hysterie ausmerzt. Freeman macht sich möglicherweise sogar Hoffnungen auf den Medizin-Nobelpreis; den jedoch bekommt 1949 Egas Moniz zuge-spro-chen, der Erfinder der herkömmlichen Lobotomie.
Die Ehrung ist wie ein Gütesiegel; sie lässt viele Gegner verstummen. Inzwischen praktizieren Ärz-te in vielen Ländern den Eingriff. Wurden bis dahin weltweit etwa 5000 Lobotomien vorgenommen, so sind es in den ersten vier Jahren nach der Preisvergabe allein in den USA 20.000. Ein Drittel da-von nach Freemans transorbitaler Methode.
Er operiert nun überall. Das Chirurgenbesteck passt in seine Jackentasche; er hat ein trag-bares Elektroschock-Gerät dabei, ein Hämmerchen sowie einen Fotoapparat – mehr benötigt er nicht.

Allein im Sommer 1951 legt er 11.000 Meilen zurück, operiert wie am Fließband. Im Jahr darauf behandelt er in West Virginia 228 Patienten in zwölf Tagen. Nach der Massen-Lobotomie – vier Menschen sterben – können 81 Patienten die Anstalten verlassen; der Bundesstaat spart Zehntausen-de Dollar an Unterbringungskosten.

Freeman genießt die großen Auftritte. Einmal operiert er vor einem Auditorium von 50 Ärzten und Reportern. Ein anderes Mal sogar mit gebrochenem Arm. Und er ist fahrlässig.

Ein Patient stirbt, weil das Lobotomie-Messer abrutscht, als Freeman wie üblich während der Operation ein Foto macht.

Freeman wird zur Berühmtheit
Trotz solcher Pannen erscheinen in populären Magazinen Artikel über den Hirnschneider. Er ist zu Beginn der 1950er Jahre eine Berühmtheit, muss sogar Autogrammkarten verschicken; Anrufer er-bitten eine Lobotomie – für sich selbst oder für Verwandte.
Doch dann wird er von einer neuen Erfindung gestoppt: 1954 kommt Thorazine auf den Markt, das erste Neuroleptikum. Eine „chemische Lobotomie“, wie die Herstellerfirma wirbt. Das Medikament unterdrückt Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Das Anstaltspersonal kann damit tobende und schreiende Patienten ruhigstellen.
Schon im ersten Jahr wird das Wundermittel an zwei Millionen Menschen erprobt. Der Effekt ist erstaunlich: Viele Patienten sind so gedämpft, dass man sie nach Hause entlassen kann. Die Zahl der Psychiatrie-Insassen beginnt zu sinken.
Thorazine ist weitaus ungefährlicher als Freemans Psychochirurgie. Die große Zeit des Lobotomisten ist vorbei.
Walter Freeman zieht 1954 nach Los Altos, Kalifornien. Nur ein Krankenhaus in einem Außenbe-zirk dort erlaubt ihm noch, Lobotomien durchzuführen.
Los Altos ist die Stadt, in der Howard Dully aufwächst. Hier hat sich noch nicht herumgesprochen, dass die Eispickel-Methode umstritten ist. Jemand muss sie Howards Stiefmutter empfohlen haben.
Am 16. Dezember 1960, um 13.30 Uhr, erledigt Freeman den raschen Eingriff.

4. Teil: Howard ist abgestumpft, interesselos, wie betäubt – er ist ein anderer Mensch geworden

Am Morgen danach wacht Howard Dully desorientiert auf, wie in einen Nebel gehüllt. Sein Kopf schmerzt, und die Augen sind von Blutergüssen schwarz um-randet (Freeman rät den Operierten stets, eine Sonnenbrille zu tragen).
Nach fünf Tagen wird der Zwölfjährige aus dem Krankenhaus entlassen. Doch er kann nicht zur Schule gehen, wirkt apathisch. Howard scheint ein anderer Mensch geworden zu sein: abgestumpft, interesselos, wie betäubt.
Für Walter Freeman aber ist der Eingriff ein voller Erfolg: „Howard wirft seiner Stiefmutter keine gruseligen Blicke mehr zu“, schreibt er etwa drei Wochen nach dem Eingriff in die Krankenakte.

Der Skandal beschleunigt Freemans Abstieg
Ein paar Tage später fährt er im Auto vor. Der Operateur will Howard in San Francisco einem Au-ditorium von Ärzten vorführen – noch immer führt er unermüdlich seinen Feldzug für die Loboto-mie. Doch im Saal wird Empörung laut, als Freeman das Alter des hochgewachsenen Jungen nennt. Er hat ein zwölfjähriges Kind lobotomisiert?
Freeman verliert die Fassung. Er schleudert einen Kasten auf das Podium, gefüllt mit Hunderten von Gruß- und Weihnachtskarten, geschrieben von dankbaren Patienten. „Wie viele Weihnachtskar-ten bekommen Sie von Ihren Patienten?“, schreit er in den Saal. Dann wird er von der Bühne ge-buht.

Der Skandal beschleunigt seinen Abstieg. Dass Freeman weiterhin die Lobotomie an Kindern pro-pagiert, ruiniert seinen Ruf endgültig.
Howard Dullys Leidenszeit beginnt jetzt erst. Zwar spürt er anders als viele andere Patienten Freemans keine Ausfälle, er kann klar sprechen und denken. Doch der Nebel im Kopf bleibt.
Und noch immer ist die Stiefmutter unzufrieden mit seinen Tischmanieren: Sie will ihn aus dem Haus haben. Freeman hilft mit einem Gutachten. Howard kommt zu einer Pflegefamilie, wird dann zu Verwandten abgeschoben.
Obwohl er wieder zur Schule geht, ist seine Stiefmutter entschlossen, ihn in einer Psychiatrie unter-zubringen. 1963 wird der 14-Jährige in Handschellen dorthin abtransportiert.
Ein Jahr dauert die Internierung, doch die Ärzte wissen nichts mit dem Jungen anzufangen. Dann kommt Howard auf eine Sonderschule und erneut für zwei Jahre in die Psychiatrie.
1969 findet sich in Freemans Notizen ein Eintrag über Howard Dully: Der Junge mache eine „unbefriedigende“ Entwicklung durch.

Zwei Jahre zuvor hat Walter Freeman die letzte seiner etwa 3500 Lobotomien ausgeführt – nach drei Tagen starb die Patientin an einer Gehirnblutung. Kein Hospital in Los Altos erlaubt ihm nun mehr zu operieren.
Freeman verkauft sein Haus, fährt fortan im Campingbus durch die USA. Wie ein Gespenst auf der Spur seiner Patienten, die er besucht und befragt. Die Datensammlung soll seinen Ruf retten. Doch seine Erfolgsstatistiken sind von zweifelhafter Aussagekraft, stützen sich auf flüchtige Beobachtungen.
Als Walter Freeman am 31. Mai 1972 mit 76 Jahren an Darmkrebs stirbt, praktiziert wohl kaum noch ein Arzt die Lobotomie.
In den Jahrzehnten zuvor, so schätzt ein Historiker, sind rund 100.000 Menschen weltweit lobotomisiert worden, darunter auch Gefängnisinsassen und möglicherweise Dissidenten in der Sowjetunion.
Der Schatten der Lobotomie liegt über der Psychochirurgie
1978 erlässt das US-Gesundheitsministerium strenge Restriktionen gegen jegliche Psychochirurgie, lehnt es jedoch ab, sie gänzlich zu verbieten; in Japan, Australien und Deutschland ist die Lobotomie bereits vorher untersagt worden.
Womöglich steht das Operieren am Gehirn psychisch Kranker heute, im Zeitalter bildgebender Verfahren und moderner Präzisionsinstrumente, vor einer Renaissance. Noch aber sind solche Eingriffe sehr selten und werden von Ärzten nur in Erwägung gezogen, wenn alle anderen Behandlungsmethoden erfolglos bleiben – weil Neurologen und Psychiater wissen, dass das Gehirn ein kompliziertes Netzwerk ist, in dem sich einzelne Funktionen nicht genau lokalisieren lassen.
Und weil der Schatten des Lobotomisten Walter Freeman über der Psychochirurgie liegt.
Howard Dully kommt erst im Frühjahr 1969 endgültig frei, mehr als acht Jahre nach seiner Operation. Er hat keine Ausbildung, lebt zeitweise als Obdachloser und von staatlicher Fürsorge. Er lässt sich treiben. Mit 45 Jahren macht er einen Abschluss als Computer-Fachmann, findet aber keine Stelle.
Heute arbeitet er als Busfahrer und lebt mit seiner Frau in San Jose, Kalifornien. Er wird nie genau herausfinden, was die Schnitte in seinem Gehirn angerichtet haben.

Dr. Ralf Berhorst, 41, Wissenschaftsjournalist in Berlin, schreibt regelmäßig für GEOkompakt.

Das Motto jeder psychiatrischer Therapie: „Probieren wir mal, wie das wirkt !“

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Über igelin

Das Foto ist nicht die Wordpress Blog-Schreiberin, sondern ihr gefolterter, misshandelter, vergifteter, verleumdeter und mit 28 Jahren in der psychiatrischer Forensik Mühlhausen / Thüringen am 27.02.2011 ermordeter Sohn Holger Zierd. Ein hochintelligenter junger Mann auf der Suche nach seinem Selbst. Beruf: Forstwirt, Verantwortlich für die Inhalte dieser Blogs: https://igelin.wordpress.com http://igelin.blog.de Einträge werden geschrieben und/oder ausgewählt von Rosel Zierd, Mutter des in der Forensik Mühlhausen / Thüringen Gefolterten, bei der Zwangsmedikatierung Schulterknochen gesplittert, trotzdem weiter gespritzt bis zum Tod. Verhungert, abgemagert bis auf Haut und Knochen, vergiftet in jeder Körperzelle - am 27.2.2011 ermordeten Gefangenen und Patienten Holger Zierd. Das Ökumensiche Hainich Klinikum ist Eigentum der christlichen evangelischen und katholischen Kirche . Holger fand nirgends Gehör - die ärztlichen ökonomischen Gesichtspunkte sind wichtiger als Gesetze und Menschenrecht oder Menschenwürde. Ich habe meinen Sohn an seinem 29. Geburtstag beerdigt. In die Psychiatrie wurde er eingeliefert ohne einem Menschen Schaden angetan zu haben und ohne einem Menschen auch nur ein böses Wort gesagt zu haben. Verurteilt von Psychiatern seit er die Schwelle der Psychiatrischen Klinik überschritten hatte. Da die Staatsanwaltschaft Thüringens die Ermittlung sowohl wegen Körperverletzung als auch wegen Mord und Beihilfe zum Mord nicht durchführt weil die Täter zuvor eine psychiatrische Diagnose erfunden haben, schreibe ich hier im Internet die Anklage gegen die Täter und hoffe, dass ich anderen Menschen Informationen vermitteln kann, die wir erst in 6 Jahren suchen und finden mussten. Möge Gott uns helfen. Mit der Angabe meiner vollständigen Adresse erkläre ich mich voll verantwortlich für die von mir geschriebenen und veröffentlichten Erfahrungen und Meinungen - sowie Erkenntnisse und für die Auswahl der Links und kopierten Artikel. Rosel Zierd (Mutter von Holger Zierd) Sorghofstraße 10 36433 Bad Salzungen Telefon: 03695 - 66 54 17 Handy. 0176 - 64 19 02 72 Internet: http://kabale.se Email: info@kabale.se Ich hoffe, dass meine Einträge für die Täter und Nicht-Denker unbequem sind und sie mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind. Für den Fall, dass diese mir meinen Sohn lebendig und gesund und munter zurück geben, wie er vor der psychiatrischen Misshandlung gewesen ist, dann werde ich meine Meinung revidieren und meine Veröffentlichungen löschen.
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Eine Antwort zu Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt

  1. Anonymous schreibt:

    Zum ersten Mal davon gehört, habe ich in dem Film „Shutter Island“ und mich später ein wenig darüber informiert. Nobelpreis für diese Unmenschlichkeit – lächerlich. Nobelpreis für die Zerstörung des Menschen und Umformung in einen gefühllosen „Roboter“ – abartig.

    3600 Menschen, die lebendig getötet und ebenso lebendig wie tot „weiterleben“ mussten.
    Grausam, menschenunwürdig, bestialisch…mir fallen nicht genug Worte ein, um Ansatzweise das Gefühl zu beschreiben, das meine Vorstellung und Abscheu dazu ausdrückt.

    „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt..“ – ob Goethe jemals geahnt hätte, zu was Menschen fähig sind? Vielleicht war Gevatter Tod nichts anderes als der Mensch selbst.

    Gruß

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