JW zum Papsbesuch

»Permanent werden Events kreiert«
Religionskritik bleibt Gesellschaftskritik: Freidenker protestieren gegen
Papstbesuch, kämpfen aber auch mit Gläubigen für Frieden und gegen
atheistische Kriegstreiber. Gespräch mit Klaus Hartmann
Rüdiger Göbel

Am gestrigen Donnerstag ist Papst Benedikt XVI. in Berlin gelandet. Ein
erhebendes Erlebnis auch für Freidenker?

Gott bewahre. Immerhin schleckte er nicht die Landebahn ab wie sein
Vorgänger. Ansonsten ist er uns ein teurer Gast, zumindest verglichen mit
den jährlich 20 Millionen Berlin-Touristen, die in der Regel Selbstzahler
sind. 25 bis 30 Millionen Euro soll der Spaß laut Deutscher
Bischofskonferenz kosten, allein der Altar im Olympiastadion kostete 400000
Euro, und der bleibt ja für die folgenden Spiele nicht stehen. Die Kirche
spricht zwar viel über ihre Beiträge, aber kein Wort erfährt man über die
öffentliche Hand, die ja auch von Evangelen, Muslimen und Konfessionsfreien
gefüttert wird. Sie dürfen ungefragt nochmal in ähnlicher Größenordnung,
u.a. für die »Sicherheit« des Besuchers und seiner Fans, »spenden«.

Aber außer den Kosten stört der Besuch doch generell?

Das würde ich persönlich nicht unterschreiben, ich kann ihm auch Positives
abgewinnen, und damit meine ich nicht nur, daß er am Sonntag schon zu Ende
ist. Nein, der Papstbesuch bringt vielen ins Bewußtsein, was alles faul ist
in der Kirche, aber auch im Verhältnis zum Staat. Nehmen wir den heiß
umstrittenen Auftritt im Bundestag. Dort reden ja viele sonderbare
Gestalten, warum nicht Ratzinger, könnte man fragen. Aber darum geht es
nicht. Wenn Staat und Kirche getrennt sind, hat ein Missionar im Parlament
nichts verloren, außer auf der Besucherempore. Wenn die Kirche die
Pfarrerstochter Merkel im Dom predigen oder Bodo Ramelow das Wort zum
Sonntag ausbringen ließe, sind das deren private Vergnügungen. Aber
einerseits Kopftuchverbot für Beamtinnen und dann dieser Kostümierte am
Rednerpult des Bundestages – wie soll das zusammenpassen? Bundesregierung
und Bundestagsmehrheit haben ihre Chance genutzt, sich als
Verfassungsfeinde zu outen. Entgegen der verfassungsmäßigen Neutralität des
Staates in Religions- und Weltanschauungsfragen machten sie den Bundestag
zum Gotteshaus. Kritiker an dieser Entscheidung wurden hysterisch
niedergemacht. Das zeugt von Besessenheit der christlich-abendländischen
Leitkultur-Kämpfer, die Akzeptanz der Rede im Bundestag wurde als
Unterwerfungsgeste und Gesinnungstest verlangt. Ein schöner Einblick in die
gepriesene Freiheit und Demokratie.

Um den Besuch wird ein immenser medialer Hype inszeniert …

Das hat nichts mit Religion zu tun, das gehört zum Geschäft der
Mainstreammedien, zu ihrem Auftrag: Brot und Spiele, Zerstreuung und
Ablenkung vom Wesentlichen. Die Menschen sollen permanent in Atem gehalten
werden, nicht zu sich selbst kommen, nicht gegen ihre eigene bedrückende
Situation aktiv werden, nicht deren Ursachen und Verursacher erkennen. Das
ist ein Programm zur Volksverdummung. Permanent werden Events kreiert,
Stars geboren, Idole zur Identifikation angeboten, man könnte sagen, jeden
Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Als kürzlich Georg-Friedrich
von Hohenzollern, Prinz von Preußen, die Sophie Prinzessin zu Isenburg
heiratete (Neue Ruhr Zeitung: Er »wäre heute deutscher Kaiser, wenn nicht
1918 alles anders gekommen wäre«), berichtete die ARD-Anstalt RBB live,
drei Stunden lang, von der ökumenischen Hochzeit in Potsdam. »Das Leben der
anderen« wird permanent öffentlich feilgeboten, auf daß die Menschen die
Illusion der Teilhabe am Glamour haben, ihre Wünsche und Sehnsüchte auf
Idole projizieren und von Verbotenem wie Klassenkampf die Finger lassen.
Das Springer-Hochhaus in Berlin zeigt das Motto in diesen Tagen
überdimensional: Auf zwei Transparenten von 45×65 Metern sehen wir jene
Titelseite mit der debilen Überschrift »Wir sind Papst«.

Trotzdem interessiert sich das Gros der Bevölkerung nicht für den Besuch
des Papstes. Zu seinen Auftritten in Freiburg kommen deutlich weniger, als
von der Kirche erwartet. Lohnt sich da der ganze Protestaufwand?

Es ist ganz in unserem Sinne, wenn über 80 Prozent der Bevölkerung ihr
Desinteresse bekunden, und die Vermarktung zum Megaevent eines Popstars
durch die Massenmedien wird der Kirche kaum neue Schafe in die Arme
treiben. Unabhängig davon gibt es eine gesteigerte öffentliche
Aufmerksamkeit für das vordemokratische Verhältnis von Staat und Kirche in
Deutschland, die Chance, das Sündenregister der katholischen Kirche, die
jüngsten Skandale wieder in Erinnerung zu rufen: Nach der fehlgeschlagenen
Vertuschung klerikaler Sexualverbrechen hat das Wort vom »Priesternotstand«
eine ganz neue Bedeutung bekommen. Ein weitverbreitetes Mißverständnis ist,
der Papst habe sich dafür entschuldigt. Tatsächlich hat er den
Kindesmißbrauch mit den Zeitumständen entschuldigt, denn die Zunahme der
Pornographie mit Kindern »schien in gewisser Weise von der Gesellschaft
zunehmend als normal betrachtet zu werden«, predigte er an Weihnachten in
Irland. Noch ein Mißverständnis: Die vermeintliche Liberalisierung beim
Kondomverkehr gilt nur bei infizierten Prostituierten, für alle anderen
gilt das gefährdende bis todbringende Verbot weiter.

Die menschenfeindlichen Positionen der Papstkirche bringen bemerkenswert
viele Menschen in Bewegung. Bündnisse machen mobil, die Freidenker
unterstützen u. a. den Demo-Aufruf »Keine Macht den Dogmen«. Dabei traten
wir am Donnerstag in Berlin für die Durchsetzung von Vernunft und
Humanismus im Denken und in der gesellschaftlichen Praxis sowie für die
strikte Trennung von Staat und Kirche ein. Wir machen deutlich, daß es
nicht nur im religiösen Bereich irrational zugeht, sondern auch im
weltlichen, kurz: Der Kapitalismus ist höchst unvernünftig, er ist
menschenfeindlich, nicht zukunftsverträglich, er bedeutet Krisen und
Kriege.

Das klingt danach, daß Papstbesuch, Kirchen und religiöse Themen nicht im
Zentrum des Interesses und der Aktivitäten der Freidenker stehen.

Vollkommen richtig. Freidenker sind eine Weltanschauungsgemeinschaft, sie
vertreten eine nichtreligiöse, also eine philosophische Weltanschauung.
Ihre Grundlagen sind philosophischer Materialismus, Dialektik und eine
darauf gegründete Geschichtsauffassung. Das bedeutet, der Mensch kann die
Welt erkennen und verändern. Zweitens sind wir Kulturorganisation, befassen
uns also mit dem Zusammenleben der Menschen, propagieren eine Gesellschaft
ohne Ausbeutung und Kriege. Um dafür Menschen in Bewegung zu bringen,
müssen sie der Gehirnwäsche widerstehen, mit dem eigenen Kopf denken, und
deshalb betrachten wir Aufklärung als unsere Hauptaufgabe. Die aktuelle
Wirtschaftskrise wirft ein grelles Licht auf die Gefahren der heutigen
Weltsituation. Krisen wurden bisher immer durch Vernichtung von
Überkapazitäten »gelöst«: von Produktionsmitteln und Menschen. Seit der
Niederlage des Sozialismus in Europa sind neokolonialistische Kriege wieder
an der Tagesordnung, das Völkerrecht wird aus den Angeln gehoben, die
Schlacht um die erneute Neuaufteilung der Welt ist in vollem Gange. Wer
garantiert, daß es bei Stellvertreterkriegen und regional begrenzten
Aggressionen bleibt? Ab wann der Beginn eines dritten Weltkrieges zu
datieren ist, können nur Historiker im nachhinein entscheiden – sofern
welche überleben. Aber die aktuellen Schlachten zeigen die eindeutige
Tendenz der Einkreisung und Provokation Rußlands und Chinas, der
Zurückdrängung ihres Einflusses. Die Gefahren dieses Abenteurertums sind
leider noch nicht vielen Menschen zu Bewußtsein gekommen.

Religiöse Fragen sind demnach nicht die entscheidenden?

Wir kämpfen nicht gegen die Religion oder die Gläubigen. Wir klagen die
kriminellen Machenschaften des Vatikans an, von der Hexenverbrennung bis
zur Geldwäsche der Vatikanbank heute. Wir klagen Ratzinger an, wenn er der
islamophoben Propaganda der neokolonialistischen Kreuzzügler seinen
»theologischen« Segen spendet. Oder seine Militärbischöfe die Moral der
Truppe beim Totschießen von Afghanen aufrüsten. Wenn Ratzinger beim
Kroatien-Besuch im Juni 2011 am Grab von Erzbischof Stepinac den
Schutzheiligen der Ustascha-Faschisten zum »christlichen Humanisten«
ausruft. In diesem Sinne bleibt unsere Religionskritik immer
Gesellschaftskritik. Wir kämpfen gemeinsam mit Gläubigen gegen den Krieg,
aber uns verbindet nichts mit den »atheistischen« Kriegstreibern des
»Menschenrechts«-Imperialismus gegen Jugoslawien bis Libyen.

Über igelin

Das Foto ist nicht die Wordpress Blog-Schreiberin, sondern ihr gefolterter, misshandelter, vergifteter, verleumdeter und mit 28 Jahren in der psychiatrischer Forensik Mühlhausen / Thüringen am 27.02.2011 ermordeter Sohn Holger Zierd. Ein hochintelligenter junger Mann auf der Suche nach seinem Selbst. Beruf: Forstwirt, Verantwortlich für die Inhalte dieser Blogs: https://igelin.wordpress.com https://gesundbleibenblog.wordpress.com/ Einträge werden geschrieben und/oder ausgewählt von Rosel Zierd, Mutter des in der Forensik Mühlhausen / Thüringen Gefolterten, bei der Zwangsmedikatierung Schulterknochen gesplittert, trotzdem weiter gespritzt bis zum Tod. Verhungert, abgemagert bis auf Haut und Knochen, vergiftet in jeder Körperzelle - am 27.2.2011 ermordeten Gefangenen und Patienten Holger Zierd. Das Ökumensiche Hainich Klinikum ist Eigentum der christlichen evangelischen und katholischen Kirche . Holger fand nirgends Gehör - die ärztlichen ökonomischen Gesichtspunkte sind wichtiger als Gesetze und Menschenrecht oder Menschenwürde. Ich habe meinen Sohn an seinem 29. Geburtstag beerdigt. In die Psychiatrie wurde er eingeliefert ohne einem Menschen Schaden angetan zu haben und ohne einem Menschen auch nur ein böses Wort gesagt zu haben. Verurteilt von Psychiatern seit er die Schwelle der Psychiatrischen Klinik überschritten hatte. Da die Staatsanwaltschaft Thüringens die Ermittlung sowohl wegen Körperverletzung als auch wegen Mord und Beihilfe zum Mord nicht durchführt weil die Täter zuvor eine psychiatrische Diagnose erfunden haben, schreibe ich hier im Internet die Anklage gegen die Täter und hoffe, dass ich anderen Menschen Informationen vermitteln kann, die wir erst in 6 Jahren suchen und finden mussten. Möge Gott uns helfen. Mit der Angabe meiner vollständigen Adresse erkläre ich mich voll verantwortlich für die von mir geschriebenen und veröffentlichten Erfahrungen und Meinungen - sowie Erkenntnisse und für die Auswahl der Links und kopierten Artikel. Rosel Zierd (Mutter von Holger Zierd) Sorghofstraße 10 36433 Bad Salzungen Telefon: 03695 - 66 54 17 Handy. 0176 - 64 19 02 72 Internet: http://kabale.se Email: info@kabale.se Ich hoffe, dass meine Einträge für die Täter und Nicht-Denker unbequem sind und sie mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind. Für den Fall, dass diese mir meinen Sohn lebendig und gesund und munter zurück geben, wie er vor der psychiatrischen Misshandlung gewesen ist, dann werde ich meine Meinung revidieren und meine Veröffentlichungen löschen.
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Eine Antwort zu JW zum Papsbesuch

  1. Fernseh-Programmänderungen bei angeblich weltbewegenden Ereignissen gab es leider schon immer. Das erste Mal erlebte ich es nach Adenauers Tod : Sofortiger Abbruch aller regulärer Sendungen unserer beiden Sender.

    Der Bericht oben ist zwarlang, aber auch sehr schön. Ich zitiere mit Begeisterung meine persönlichen Highlights:

    Immerhin schleckte er nicht die Landebahn ab wie sein
    Vorgänger.

    Aber einerseits Kopftuchverbot für Beamtinnen und dann dieser Kostümierte am Rednerpult des Bundestages – wie soll das zusammenpassen?

    Das hat nichts mit Religion zu tun, das gehört zum Geschäft der Mainstreammedien, zu ihrem Auftrag: Brot und Spiele, Zerstreuung und Ablenkung vom Wesentlichen.

    Nach der fehlgeschlagenen Vertuschung klerikaler Sexualverbrechen hat das Wort vom »Priesternotstand«
    eine ganz neue Bedeutung bekommen.

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