Italien ohne Psychiatrien

20.11.1978
Spiegel online

Schizophrenie austragen wie Schnupfen
In Italien werden die Irrenanstalten durch Gesetz abgeschafft
Geisteskranke In geschlossenen Anstalten, hinter Gittern und in Gummizellen, mit Psychopharmaka für die Behandlung „disponibel“ gemacht — das alles soll es in Italien künftig nicht mehr geben. Eine Protestbewegung junger Psychiater hat erreicht, daß die großen „Psycho-Fabriken“ aufgelöst werden — in Deutschland unvorstellbar.

„San Giovanni“ ist nämlich keine Anstalt im herkömmlichen Sinn: Niemand wird dort zwangsweise eingewiesen oder zwangsweise untersucht, niemand mit Pharmaka ruhiggestellt oder in eine Gummizelle gesteckt.

Klinik-Chef und Hochschul-Professor Franco Basaglia hatte nach fünf

* Ehemals Geschlossene Abteilung (oben), ehemals Internierte des „San Giovanni“ in Triest.

Jahren Vorbereitung Anfang 1977 alle stationären Abteilungen des 1200-Betten-Hauses aufgehoben. Als „Gast „dableiben durfte nur, wer anderswo keine Unterkunft fand oder wegen körperlicher Behinderung pflegebedürftig war.

Seither gibt es in Triest keine Geisteskranken mehr, sondern nur „Mitmenschen, die ein seelisches Leiden haben wie andere einen Beinbruch“ (Basaglia) und deshalb nicht hinter Mauern verwahrt werden.

Basaglias Klinik machte Schule: Wie in Triest wird es — wenigstens auf dem Papier — in ganz Italien künftig keine Anstalten für Geisteskranke mehr geben. „Grundsätzlich ist die medizinische Abklärung und Behandlung freiwillig“, schreibt das neue italienische Psychiatriegesetz vor, das im vergangenen Juni in Kraft getreten ist.

Vom nächsten Jahr an dürfen Italiens 95 staatliche Irrenanstalten („Manicomi“) — sie versorgen allerdings nicht einmal die Hälfte der rund 170 000 Internierten — keine neuen Patienten mehr annehmen. Wer seelisch krank wird und ärztliche Hilfe braucht, wird nach der Untersuchung entweder von Pflegern zu Hause betreut — oder in einem normalen Allgemeinkrankenhaus untergebracht, neben Blinddarm-Operierten und Herzkreislauf-Patienten. Mitte Oktober begannen in Rom bereits Sonderkurse für den neuen Job des „Integrationshelfers“: Er ist teils Psychologe, teils Pfleger und Sozialarbeiter und soll die Rundum-Pflege der seelisch Kranken und ihre Wiedereingliederung ins Alltagsieben übernehmen.

Sämtliche italienischen Allgemein-Krankenhäuser müssen in Zukunft Betten für psychisch Kranke freihalten. „Es ist verboten“, lautet Paragraph sieben, „weitere psychiatrische Kliniken zu bauen und in den allgemeinen Krankenhäusern gesonderte psychiatrische Abteilungen einzurichten.“

Per Gesetz verboten worden sind auch Bezeichnungen wie „Geistesgestörte“ oder „Geisteskranke“: In der italienischen Rechtsordnung müssen die diskriminierenden Begriffe getilgt und die alten Bestimmungen zur Zwangseinweisung psychisch Kranker oder Behinderter aufgehoben werden.

Damit hat Italien „das wohl fortschrittlichste Gesetz Europas“, stellte Nando Agostinelli, Referent für Psychiatrie der Provinz Rom fest. Und tatsächlich scheint den Italienern gelungen, was Sozialpsychiater seit Jahren fordern, in ihren Ländern aber nicht durchsetzen: die Psychiatrie-Gettos abzuschaffen, zumindest aber zu öffnen — eine Voraussetzung dafür, daß die Kranken überhaupt genesen können.

„Utopisch“, nennt Horst Dilling von der Psychiatrischen Universitätsklinik München ein derartiges Gesetz für die Bundesrepublik mit ihrem umfassenden Anstaltswesen.

Kranke versorgen sich in der Klinik selbst.

Ein im Auftrag der Bundesregierung verfaßter Expertenbericht, die sogenannte Psychiatrie-Enquete, errechnete 1975, daß „etwa jeder dritte Bundesbürger einmal in seinem Leben irgendeine psychische Krankheit durchgemacht hat oder noch daran leidet“ — oft, ohne sich dessen bewußt zu sein.

Von ihnen konsultieren rund 600 000 auch tatsächlich einen Spezialisten, 226 000 werden von den 241 Krankenhäusern mit psychiatrischer Versorgung (davon 130 Fachkrankenhäuser) aufgenommen — etwa 100 000 von ihnen gegen ihren Willen: Sie werden mit Medikamenten, Instrumenten und Psychotherapien zwangsbehandelt.

In den meisten europäischen Ländern werden Seelenkranke nach strafrechtlichen Bestimmungen wie Tatverdächtige in die Anstalten bugsiert. In der Bundesrepublik etwa regelt dasselbe Gesetz „die Unterbringung einer Person gegen ihren Willen oder im Zustande der Willenlosigkeit in einem Gefängnis, einem Haftraum, einem Arbeitshaus, einer abgeschlossenen Verwahranstalt oder einem abgeschlossenen Teil einer Krankenanstalt“.

Die Überzeugung, daß seelisch schwer Leidende statt in Freiheit hinter Gitter zu halten seien, ist so alt wie die Industrialisierung Westeuropas: „Gemeinsam mit Kriminellen, Bettlern und Landstreichern, Arbeitslosen, Dirnen, politisch Auffälligen und Geschlechtskranken“, so die Enquete, seien damals auch Geisteskranke „hinter Schloß und Riegel verbannt“ worden — Randgruppen der Gesellschaft, die den Arbeitsprozeß stören und deshalb „sozial unschädlich gemacht“ wurden.

In hermetisch abgeschlossenen, abseits gelegenen Anstalten wurden dann die Kranken seit Ende des vorigen Jahrhunderts von den in Mode gekommenen Seelenärzten behandelt — nach dem „autoritär-pädagogischen Prinzip der Disziplinierung und Bevormundung“, das die Internierten ihre angebliche Minderwertigkeit deutlich spüren ließ. „Der hieraus abgeleitete patriarchalische Anspruch des Anstaltsarztes“, so die Enquete, habe „ungünstige Folgen auf das Binnenklima psychiatrischer Einrichtungen (gehabt), die teilweise bis heute fortwirken“.

Aus den Tollhäusern früherer Jahre wurden dann Schlaf- und Dämmeranstalten, nachdem vor 30 Jahren die Psychopharmaka entdeckt wurden.

Die Anstalten machen die Kranken noch mehr krank.

Mit dem 1952 als Beruhigungsmittel eingeführten Chlorpromazin ließen sich vor allem die wegen ihrer Hospitalisierung tobenden Patienten „innerhalb kürzester Zeit ruhigstellen“ (Enquete); die der Therapie hinderliche Abwehr konnte unterdrückt, der Patient „disponibel“ gemacht werden. Trotz bedenklicher Nebenwirkungen werden auch heute Psychopharmaka, etwa Haldol, Schizophrenen und stark depressiven Patienten täglich in hohen Dosen verabreicht.

Zwar sanken während der vergangenen 20 Jahre dank dieser „Pharmakotherapie“ die Internierungszeiten der Patienten; sie mußten aber häufiger als früher immer wieder für weitere Tablettenkuren eingeliefert werden. Es entstand der von Fachleuten so genannte „Drehtür-Effekt“.

Von den rund 100 000 Patienten in den Fachkrankenhäusern der Bundesrepublik leben rund 60 000 (59 Prozent) schon länger als zwei Jahre hinter Spitalmauern, die Hälfte davon schon länger als zehn Jahre.

In den großen Psycho-Fabriken muß ein Arzt mehr als 60 Patienten versorgen. Da reduziert sich die Beziehung zwischen Patient und Arzt oft auf die tägliche Pillen-Ausgabe.

Alle Berichte und Untersuchungen aus Europa wie den USA verdeutlichen, daß nirgendwo sonst das Vertrauen der Kranken zu ihren Ärzten und Betreuern tiefer gestört ist als in den psychiatrischen Kliniken — ausgerechnet dort, wo die zu behandelnde Krankheit oft die Folge radikaler Beziehungslosigkeit ist und wo jeder Heilungsversuch langwierige Vertrauensarbeit voraussetzt.

Als erste erkannten Psychiater in den USA. daß oftmals erst die Hospitalisierung aus Verhaltensstörungen Krankheiten macht. „Empirische Untersuchungen lehrten uns“, berichtete dann der Chef des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, Heinz Häfner, vor sieben Jahren, „daß das Krankenhausmilieu selbst Einfluß auf die Entlassungsaussicht der Kranken hat.“

Irrenhäuser machen Gesunde krank, lautete die Folgerung der „Anti-Psychiatrie“, einer Bewegung unorthodoxer Ärzte, die in den USA in den 60er Jahren begann. Sie sind überzeugt, daß Geisteskranke in Wahrheit normal seien und die krankmachenden Anstalten geschlossen werden müßten. Tatsächlich haben mehrere US-Bundesstaaten Irrenanstalten per Gesetz verboten.

Im Januar dieses Jahres publizierte die Gesundheitsbehörde des Staates New York die Ergebnisse einer zweijährigen Studie über die Folgen des „Institutionalismus“ der Anstalten: 28 Prozent der 26 000 stationären Patienten werden unnötigerweise in den Psychiatrie-Kliniken festgehalten. Die Mehrheit könnte sogar ohne weiteres in einer normalen Umgebung leben.

Ähnliche Schätzungen kommen auch aus europäischen Ländern. Auf einem Symposium im April dieses Jahres in Hamburg offenbarte der Chef einer Psychiatrie-Klinik: „50 bis 70 Prozent unserer Patienten könnten wir entlassen, gäbe es in der Bevölkerung weniger Vorurteile und mehr ambulante fachliche Betreuung.“

In krassem Gegensatz zu der unnötigen Hospitalisierung steht die Unterversorgung der Betreuungsbedürftigen außerhalb der Anstalten. Eine Untersuchung des britischen Gesundheitsministeriums ergab, daß im Grunde ein Zehntel der Bevölkerung — jeder zwölfte Mann und jede achte Frau — eine psychiatrische Behandlung nötig hätte, freilich weniger in geschlossenen Anstalten und vermehrt in Ambulatorien, therapeutischen Gemeinschaften und in Einzel-Sprechstunden.

Auch die bundesdeutsche Psychiatrie-Enquete ging von ähnlichen Schätzungen aus und stellte „wesentliche Mängel der Versorgung“ fest, die durch die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung noch verschärft werden: „Die Folge sind Wiedererkrankungen und Rückschläge bei der Rehabilitation.

Seit Erscheinen der Enquete ist die Versorgung nicht besser geworden — sie diene
wegen ihrer zu weit gesteckten Ziele den Reformfeinden als „fabelhaftes Alibi“, urteilte Klaus Dorner, stellvertretender Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Hamburg.

Weit krasser noch als in den übrigen europäischen Ländern hat die italienische Anstalts-Psychiatrie den Ruf, ein Schrecken verbreitendes Mittel zur Disziplinierung querulatorischer Schein-Kranker zu sein. „Üblich sind noch heute Zwangsjacke, vergitterte Einzelzellen, harte Strafen für Selbstbeschmutzer und Bettnässer, die übrigens erst in der Anstalt zu dem werden, was sie sind“, schildert Agostino Pirella, Chef einer offenen Klinik, die Lage in den geschlossenen Anstalten.

In den dickwandigen Kerkern von der Kirche geführter Zucht-Häuser behandeln Psychiater Seelen-Leiden, als ginge es wie beim Exorzismus um die Erlösung des sündigen, vom Bösen besessenen Patienten.

Kaum anders in den staatlichen Anstalten: Tag und Nacht angebunden, oft mit allen anderen Insassen in einen Saal zusammengepfercht, verdämmern die Internierten Jahr um Jahr. Prügel bis zur Verkrüppelung, Schlaf- und Nahrungsentzug, hin und wieder ein Elektroschock sind alltägliche Qualen, die als Therapie verabreicht werden.

Grausige Berühmtheit erlangte die Nervenklinik von Pozzuoli bei Neapel, in der auch psychisch erkrankte Strafgefangene „behandelt“ werden — meist, indem sie ans Bett gefesselt oder mit Beruhigungsmitteln in dauernder Besinnungslosigkeit gehalten werden.

1970 erkrankten dort Patientinnen an Typhus, 1973 starb eine Internierte, die künstlich hätte ernährt werden sollen, an durchstochener Luftröhre. Im Dezember 1974 starb die Patientin Antonietta Bernardini bei einem Zimmerbrand, weil sie im Zwangsbett festgeschnallt war. Im folgenden Frühjahr erhängte sich die suizidgefährdete 47jährige Patientin Teresa Quinto mit einem Strick. Niemand wollte wissen, wie er in Teresas Hände gelangt war.

Teestube und Kindergarten statt der Geschlossenen Abteilungen.

„Ich habe die ganze Ausbildung zum Folterer mitbekommen und verinnerlicht“, erzählt Franco Basaglia. „Die Ausbildung zum Irrenarzt ist identisch mit der Ausbildung zum Folterer.“

Anfang der 60er Jahre entstand in Nordostitalien eine Reformbewegung junger, vorwiegend linker Ärzte. Sie weigerten sich, „im Foltersystem (Basaglia) mitzumachen, organisierten den Widerstand „gegen das Irrenhaus als Institution“ und begannen eine neue „Karriere als Anstaltszerstörer“, wie es im ersten umfassenden Bericht über die „demokratische Psychiatrie“ Franco Basaglias heißt**.

Ausgangspunkt war das Irrenhaus in der beschaulichen Provinzstadt Görz im italienischen Friaul: Dort begann Basaglia 1961 als Assistenzarzt. „Ich verstand die Welt nicht mehr: die Gewalttätigkeit, die sich täglich vor meinen Augen abspielte. Meine Kritik kam zunächst vom rein Menschlichen her.“

* Graffiti: „Freiheit heilt“.

** Sil Schmid, „Freiheit heilt“. Verlag Klaus Wagenbach. Berlin; 128 Seiten; 7,50 Mark.

Aus dieser Betroffenheit suchte Basaglia nach neuen Umgangs- und Therapieformen „als Versuch einer Antwort auf die Ungeheuerlichkeit, die dieses Spital darstellte“.

Es war die erste Instituts-Demontage Italiens: Die zornigen jungen „demokratischen Psychiater“ wollten — ähnlich wie die Anti-Psychiater in den USA — als Fernziel alle Anstalten aufheben. Doch im Unterschied zur Anti-Bewegung sehen die Italiener im psychisch Kranken vorwiegend Opfer gesellschaftlicher Unterdrückung. die zur Isolation der Betroffenen geführt hat. Sie verstehen daher jede Krankheit als Resultat einer gestörten Umwelt-Beziehung. Deshalb müsse

mit der Krankheit auch die Störung beseitigt, also Sozialhilfe geleistet werden.

Die Konsequenz: Nicht in der weltfernen und künstlichen Abgeschlossenheit, sondern im „ganz normal kranken Alltagsleben“ (Basaglia) müßten die Patienten betreut und in ihre Lebenswelt integriert werden: „Eine Schizophrenie muß man austragen können wie einen Schnupfen.“

Die Görzer Jung-Ärzte, von denen die Mehrheit Mitglieder der KPI waren, gerieten schon 1968 über der Frage, welche Rolle die Psychiatrie eigentlich spielen und gegen wen sie opponieren solle, in einen Ideologie-Streit. Der mehr pragmatisch orientierte Basaglia verließ die Klinik und übernahm 1971 zusammen mit dem Kollegen Domenico Casagrande das Spital in Triest.

Damals lebten 1200 Patienten im Triester „Ospedale Psichiatrico“, zwei Drittel waren Zwangseingewiesene. Schritt für Schritt wurden sämtliche Beschränkungen abgebaut und die Patienten zu Selbstvertrauen und Eigenverantwortung erzogen.

Die Anstaltskleidung verschwand, Tische und Stühle durften die Patienten nach eigenem Geschmack streichen, ein Friseursalon wurde eingerichtet, ebenso eine Tee- und Kaffeestube, Es entstand eine Patienten-Genossenschaft, die auf eigene Rechnung Arbeiten in Triest durchführt, so daß die Patienten über selbstverdientes Geld verfügen konnten: Der Kontakt nach außen war hergestellt.

„La Libertà è terapeutica“ — „Freiheit heilt“ — hatten Mitarbeiter mit Ölfarbe an die Anstaltsmauer gemalt: Die Türen stehen jedermann offen, die Patienten haben Haustürschlüssel in der Tasche, im Klinikgarten befindet sich ein Kindergarten.

Euphorisch urteilte Michele Zanetti, bis 1977 christdemokratischer Präsident der Provinz Triest, über die Psychiatrie der roten Ärzte: „Triest hat gezeigt, wie man eine wirksame Methode zur Befreiung von Menschen konkret durchführen kann: die Rückgabe kranker Menschen an die Gesellschaft.“

Wie in Triest übernahmen Ärzte der alten Gorzer Gruppe Psychiatrie-Anstalten anderer Städte: das Provinz-Spital Arezzo in der Toskana, den psychiatrischen Dienst von Ferrara oder das Krankenhaus in Genua. Ein Fünftel der staatlichen italienischen Irrenhäuser gilt heute als „offen“.

Es blieb aber nicht nur bei Klinik-Experimenten: Der Psychiater Giovanni Jervis, heute Hochschullehrer in Rom, lieferte inzwischen auch den theoretischen Hintergrund. Sein soeben auf deutsch erschienenes „Kritisches Handbuch der Psychiatrie“* ist Lehrbuch an vielen italienischen Universitäten.

Seine These, für die das Lehrbuch wirbt: „Psychiatrie‘ müßte heißen, dafür zu kämpfen, daß allen das Recht, über sich selbst zu verfügen, zurückgegeben wird, daß sie nicht unterdrückt und getäuscht werden — auch im Namen der Psychiatrie.“

„Ich werde sie zur Demontage der Irrenhäuser zwingen.“

Demselben Ziel dienen soll auch das neue Psychiatrie-Gesetz, an dem die Basaglia-Gruppe von Anfang an mitgearbeitet hat. So befassen sich drei Viertel der Gesetzesbestimmungen damit, Zwangsuntersuchungen und -einweisungen auf besondere Notfälle zu beschränken — für den Preis eines großen bürokratischen Aufwands, der dazu führen könnte, daß die Reform in neuen Papierbergen steckenbleibt.

Dennoch haben sich diese Gesetzes-Barrieren seit Inkrafttreten vorteilhaft ausgewirkt. In der Provinz Rom etwa wurden in den vergangenen drei Monaten rund 33 Prozent weniger Kranke aufgenommen als im gleichen Zeitraum der Vorjahre: Die Ärzte der Allgemeinkrankenhäuser untersuchen gezielter und schieben nicht mehr, wie früher, das „Krankengut“ mit dem Etikett „matto“ (verrückt) in die Anstalten ab.

Größere Schwierigkeiten macht die Vorschrift, die Anstalten zu schließen und die Gebäude den normalen Spitälern anzugliedern. So weiß niemand, ob die vorgeschriebenen Fristen eingehalten werden können.

In der römischen Anstalt „Santa Maria delta Pietà“ dürfen von den

* Giovanni Jervis: „Kritisches Handbuch der Psychiatrie“. Syndikat Autoren- und Verlagsgesellschaft Frankfurt; 425 Seiten; 38 Mark.

1200 Internierten erst knapp 100, mit dem Status „Gast“ versehen, tagsüber in die Stadt und arbeiten gehen. Auch kritisierten traditionelle Anstalts-Psychiater die Vorschrift, daß nun Geisteskranke in die Allgemein-Krankenhäuser aufgenommen werden müßten. „Sie werden dort notdürftig untergebracht und so schnell wie möglich wieder entlassen, weil die betreffenden Hospitäler gar nicht in der Lage sind, richtig zu helfen“, konstatierte unlängst Bino Bernardini, Klinikarzt in Volterra.

Die meisten Kliniken sind nicht einmal in der Lage, alle organisch Kranken ärztlich zu versorgen. Überfüllte Krankensäle, Betten auf den Korridoren, nicht funktionierende Geräte, überforderte Ärzte, oftmals ungenügend qualifiziertes Pflegepersonal und häufige Arbeitskämpfe gehören zum italienischen Klinik-Alltag.

So führten Ende Oktober Lohnstreiks in vielen Großstadt-Kliniken zu chaotischen Zuständen und akuter Lebensgefahr für die Patienten. In der römischen Poliklinik mußten Soldaten die Patienten verpflegen.

Diese Verhältnisse halten die „demokratischen Psychiater“ für nicht gar so schlimm. Je schwieriger nämlich die zusätzliche Unterbringung der psychisch Kranken sei, argumentieren sie, desto größer sei auch deren Chance, schnell wieder entlassen zu werden.

Basaglia zum SPIEGEL: „In zwei Monaten gehe ich auf Irrenhaus-Tournee. Ich werde sie zwingen, mit ihrer Demontage zu beginnen.“

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Über igelin

Das Foto ist nicht die Wordpress Blog-Schreiberin, sondern ihr gefolterter, misshandelter, vergifteter, verleumdeter und mit 28 Jahren in der psychiatrischer Forensik Mühlhausen / Thüringen am 27.02.2011 ermordeter Sohn Holger Zierd. Ein hochintelligenter junger Mann auf der Suche nach seinem Selbst. Beruf: Forstwirt, Verantwortlich für die Inhalte dieser Blogs: https://igelin.wordpress.com http://igelin.blog.de Einträge werden geschrieben und/oder ausgewählt von Rosel Zierd, Mutter des in der Forensik Mühlhausen / Thüringen Gefolterten, bei der Zwangsmedikatierung Schulterknochen gesplittert, trotzdem weiter gespritzt bis zum Tod. Verhungert, abgemagert bis auf Haut und Knochen, vergiftet in jeder Körperzelle - am 27.2.2011 ermordeten Gefangenen und Patienten Holger Zierd. Das Ökumensiche Hainich Klinikum ist Eigentum der christlichen evangelischen und katholischen Kirche . Holger fand nirgends Gehör - die ärztlichen ökonomischen Gesichtspunkte sind wichtiger als Gesetze und Menschenrecht oder Menschenwürde. Ich habe meinen Sohn an seinem 29. Geburtstag beerdigt. In die Psychiatrie wurde er eingeliefert ohne einem Menschen Schaden angetan zu haben und ohne einem Menschen auch nur ein böses Wort gesagt zu haben. Verurteilt von Psychiatern seit er die Schwelle der Psychiatrischen Klinik überschritten hatte. Da die Staatsanwaltschaft Thüringens die Ermittlung sowohl wegen Körperverletzung als auch wegen Mord und Beihilfe zum Mord nicht durchführt weil die Täter zuvor eine psychiatrische Diagnose erfunden haben, schreibe ich hier im Internet die Anklage gegen die Täter und hoffe, dass ich anderen Menschen Informationen vermitteln kann, die wir erst in 6 Jahren suchen und finden mussten. Möge Gott uns helfen. Mit der Angabe meiner vollständigen Adresse erkläre ich mich voll verantwortlich für die von mir geschriebenen und veröffentlichten Erfahrungen und Meinungen - sowie Erkenntnisse und für die Auswahl der Links und kopierten Artikel. Rosel Zierd (Mutter von Holger Zierd) Sorghofstraße 10 36433 Bad Salzungen Telefon: 03695 - 66 54 17 Handy. 0176 - 64 19 02 72 Internet: http://kabale.se Email: info@kabale.se Ich hoffe, dass meine Einträge für die Täter und Nicht-Denker unbequem sind und sie mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind. Für den Fall, dass diese mir meinen Sohn lebendig und gesund und munter zurück geben, wie er vor der psychiatrischen Misshandlung gewesen ist, dann werde ich meine Meinung revidieren und meine Veröffentlichungen löschen.
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